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Dipl.-Rest. Marc Peez

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3 Fragen an Fragen an Dipl.-Rest. Marc Peez Experte für Holzskulptur in der Restaurierungswerkstatt des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland

6.08.2020

Mittelalterliche Farbgestaltungen, die uns den Atem rauben

Mittelalterliche Skulpturen waren in der Regel farbig. Warum haben sich nur so wenige Stücke mit ursprünglicher Farbfassung erhalten?

Marc Peez: Im Vergleich zu Gemälden unterlagen Skulpturen im Laufe der Zeit viel eher den Anpassungen des jeweiligen Zeitgeschmacks. Waren sie unansehnlich geworden oder wurde die Kirche, in der sie standen, renoviert, brachte man einfach neue Schichten auf. Nicht selten finden wir auf mittelalterlichen Werken zehn und mehr Farbfassungen. Sie müssen sich das wie bei einer Zwiebel vorstellen: Die wenigen erhaltenen Schichten aus der Entstehungszeit sind entweder von solchen späteren Überarbeitungen verschont geblieben oder durch durch Restauratorinnen und Restauratoren wieder freigelegt worden. Leider wurden aber – vor allem im 19. Jahrhundert – zahlreiche Skulpturen ihrer Farbfassungen komplett beraubt.

Wo können Besucherinnen und Besucher in der Kölner Meister-Arnt-Ausstellung am besten die originale Farbfassung des 15. Jahrhunderts wiederfinden?

Peez: Drei Stücke rauben uns Fachleuten immer wieder den Atem: Die Bischofsbüste gleich zu Beginn der Ausstellung, der große Georgsaltar aus Kalkar und das dagegen fast miniaturhafte Altärchen aus dem Museé de Cluny in Paris. Mich beeindruckt neben der fasstechnischen Raffinesse vor allem der Erhaltungszustand der sehr empfindlichen Schichten.

Worauf sollten Besucherinnen und Besucher besonders achten?

Peez: An der Mitra der Bischofsbüste kann man bei genauem Hinsehen sehr feine Punktreihen erkennen, die von einem Zahnrädchen stammen. Darüber hinaus sieht man vergoldete Ziernägel, die aus Metallstift en und kleinen Kugeln aus Grundiermasse bestehen. Den Georgsaltar sollten Sie sich zunächst aus einiger Entfernung ansehen, bevor Sie sich den Details aus nächster Nähe widmen. Achten Sie hier auf die zahlreichen kleinen Muster in einer Kratztechnik (Sgraffito) und eingestreute Glassplitter auf der felsigen Landschaft . Das beabsichtigte Funkeln sieht man am besten aus leichter Untersicht. Beim Altärchen aus dem Musée de Cluny beeindruckt mich immer wieder, wie dünn die Flächen grundiert wurden. Sehr gut nachvollziehen können die Besucherinnen und Besucher hier auch das Zusammenspiel von matten und glänzenden Flächen.