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Oft gilt die alte Weisheit: Der erste Eindruck zählt Bild: jeremias münch/stock.adobe.com

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Auch beim Job gilt: Kleider machen Leute Nicht jedes Outfit kommt beim Arbeitgeber gut an – Welcher Stil als passend angesehen wird, hängt allerdings stark von der jeweiligen Branche ab

27.08.2020

Morgens hat sich die junge Frau gar nicht viel gedacht, als sie das Kleid übergeworfen hat. Dunkelblau, knielang, ein bisschen oversized - unauffällig, eigentlich. Auf der Karrieremesse spricht sie aber doch ein Coach auf das „Wallekleid” an, das ja „so authentisch” sei, „eine mutige Alternative zum Hosenanzug”. Die Szene zeigt: Kleider machen Leute. Vor allem im Joballtag. Einen offiziellen Dresscode gibt es zwar heute nur noch in wenigen Branchen und Unternehmen, mit dem Auftreten entscheidet sich aber, wie andere Menschen eine Person wahrnehmen. „Wer bei der Auswahl seiner Kleidung völlig danebengreift, läuft Gefahr, dass andere einen nicht ernst nehmen”, sagt Linda Kaiser, Trainerin für Business-Etikette.

Vertrauen schaffen

Dass ein Bankmitarbeiter nur seriös wirkt, wenn er entsprechend gekleidet ist – klar. „Kunden wären sonst nicht geneigt, ihm ihr Geld anzuvertrauen”, sagt Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft (DKG) ist. Gleiches gilt zum Beispiel für den Vertrieb. Dort kommt es Kaiser zufolge darauf an, mit einem eher konservativen Look einen glaubwürdigen Eindruck zu vermitteln. „Wichtig ist, dass man mit seiner Kleidung authentisch wirkt”, findet Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Selbst bei konservativen Kleidervorschriften im Unternehmen gibt es oft mehr modischen Spielraum als früher. „Eine Frau kann etwa ein buntes Kleid oder statt Hose mit Blazer einen Gehrock in einer leuchtenden Farbe tragen”, erklärt Boenig. „Hauptsache, es wirkt gepflegt und geschmackvoll.” Doch selbst wenn es keine offiziellen Vorgaben gibt, ist es längst nicht einerlei, in welcher Garderobe Mitarbeiter im Job-Alltag auftreten. „Denn mit seiner Kleidung sendet man Signale aus”, sagt Yasmin Kurzhals. Die Personalchefin von auxmoney in Düsseldorf ist Mitglied im Präsidium des Bundesverbands der Personalmanager (BPM).

An Kollegen orientieren

Wer mit der Masse mitschwimmen will, sollte sich daran orientieren, was die unmittelbaren Kollegen tragen. Dann macht er gegebenenfalls mit Jeans, Pulli und Turnschuhen nichts falsch. Ein solches Outfit erzeugt ein Gefühl von Zusammengehörigkeit oder verkörpert eine bestimmte Haltung des Unternehmens. Geht es in einer Firma kleidungsmäßig eher leger zu, kann jemand, der schick kommt, overdressed wirken. „Sie oder er sticht aus der Masse heraus, was dazu führen kann, dass Kollegen sich unwohl fühlen und es für sie schwieriger ist, Sympathien für sie oder ihn zu entwickeln”, so Kurzhals. Der oder die Schicke wirkt auf die anderen überheblich und will sich abgrenzen. „Mitunter kann aber auch das schicke Outfit bewusst gewollt sein, weil damit eine bestimmte Wirkung erzeugt werden soll, etwa Souveränität und Durchsetzungsstärke.” Kurzhals rät, sich zu fragen, was man darstellen möchte und ob das gewählte Outfit die eigene Kompetenz unterstreicht.


"Es empfiehlt sich, lieber traditionell als flippig gekleidet zu sein"


Stil als Markenzeichen

Sich von der Masse abheben, indem bewusst im Freizeitlook, zum Beispiel im Trainingsanzug, zur Arbeit erschienen wird? Kaiser rät davon ab: „Ein solches Outfit könnten andere als Zeichen mangelnder Wertschätzung sehen.” Bei manchen Leuten ist ein bestimmter Kleidungsstil aber auch ein Markenzeichen. „Sie sind in der Regel sehr selbstsicher und legen es darauf an, dass man sie ein bisschen als Paradiesvogel wahrnimmt”, so Boenig. „Das ist völlig in Ordnung, solange aus Unternehmenssicht nichts dagegenspricht.” Wer neu in einer Firma und sich unsicher ist, kann sich vorab über den Kleidungsstil informieren. „Aufschluss geben zum Beispiel die Fotos auf den Karriere-Webseiten der jeweiligen Firma”, erklärt Kurzhals. Sie empfiehlt, in Vorstellungsrunden lieber ein etwas klassischeres Outfit zu wählet.

Erwartungen ändern sich

Nimmt man im Auftrag seines Arbeitgebers an einer Abendveranstaltung oder Messe teil, empfiehlt es sich ebenfalls, vorher herauszufinden, welcher Kleidungsstil angesagt ist. Das geht oft aus den jeweiligen Einladungen hervor. Ist dies nicht der Fall, dann gilt: „Lieber eher traditionell gekleidet als flippig”, rät Kurzhals. Dies gilt umso mehr, je höher die eigene Position ist. Wer zu lässig gekleidet für sein Unternehmen einen Außentermin wahrnimmt, geht mit Blick auf wichtige Gesprächspartner ein hohes Risiko ein. Kaiser: „Das kann im Zweifelsfall den Ruf des Unternehmens schädigen und damit dessen Erfolg.” (mit Material von dpa)