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Jessica Pollmeier hat bereits als Teenager eine Ausbilung im Hospiz gemacht. Inzwischen ist die 28-Jährige sogar die stellvertretende Leiterin des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg Image 1
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Begleiten auf dem letzten Weg: Jessica Pollmeier hat bereits als Teenager eine Ausbilung im Hospiz gemacht. Inzwischen ist die 28-Jährige sogar die stellvertretende Leiterin des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg

Jessica Pollmeier im angrenzenden Garten, der zum Verweilen einlädt Bild: Büge

Jessica Pollmeier erfüllt gerne Wünsche. Oftmals sind es letzte Wünsche. Wie im Sommer 2016, als die stellvertretende Leiterin des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg mit einer im Sterben liegenden Patientin ans Meer fuhr. Es war für die an Krebs erkrankte Frau das erste Mal überhaupt, dass sie einen Ozean zu Gesicht bekam. „An das Strahlen in ihren Augen kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Pollmeier. „Wir waren danach zusammen mit ihrem Sohn und seiner Frau noch den ganzen Tag in Domburg.“ Einige Tage später verstarb diese Patientin allerdings, worauf Pollmeier mental eingestellt sein.

Große Fürsorge

Denn bei den Gästen im Palliativ- und Hospiz-Zentrum der GFO Kliniken Rhein-Berg schlägt keine Therapie mehr an. Sie haben meist eine unheilbare Form von Krebs, im Endstadium. „Einen besseren Arbeitsplatz, als in einem Hospiz oder einer Palliativ-Station zu arbeiten, gibt es für mich trotzdem nicht. Denn ich kann hier einfach für Menschen da sein, die Hilfe brauchen“, erklärt die 28-Jährige. „Ich will ihnen helfen, sich in dieser Phase ihres Lebens noch so wohl wie möglich zu fühlen.“ Damit dies passieren kann, sind die Zimmer im Palliativ- und Hospiz-Zentrum der GFO Kliniken Rhein-Berg so modern und gemütlich wie möglich eingerichtet. Auch die große Wohnküche und der Wintergarten laden zum Verweilen ein, der angrenzende Park zu einem Spaziergang.  
  
Besondere Einstellung
  
Die Einrichtung der Zimmer ist modern, der Garten direkt zugänglich Bild: Büge
Die Einrichtung der Zimmer ist modern, der Garten direkt zugänglich Bild: Büge
Doch das schöne Ambiente kann nicht verhindern, dass die meisten Patienten dort in den ersten drei Monaten nach der Ankunft versterben. Ein Zustand, den Pollmeier hinnehmen muss. „Davon lasse ich mich nicht runterziehen. Auch weil hier viel mehr gelacht als geweint wird. Die Leute wollen einfach so normal wie möglich leben“, sagt Pollmeier, die sich im Hospiz von Anfang an gut zurechtfand. Zuvor rieten ihr einige Personen aus ihrem Umfeld allerdings von ihrem Wunschberuf ab. „Viele meiner Freunde haben gesagt: ‚Hey, du bist 21. Wie kannst du auf so einer Station arbeiten und dabei so fröhlich sein?‘ Aber ich habe mich hier direkt wohlgefühlt, weil ich für die Leute da sein wollte und mich einfach mit ihnen hinsetzen und mir Zeit für sie nehmen kann“, sagt Pollmeier, die von Anfang an mit einer besonderen Einstellung in ihren Job startete. „Ich behandle die Leute ganz normal und gehe auf ihre Bedürfnisse ein. Denn sie sind immer sehr froh, wenn man offen und ehrlich zu ihnen ist. Sie wollen gar nicht anders behandelt werden als jeder andere Mensch auch.“

Bewerber fehlen

Schade: Wie in anderen Pflegeberufen mangelt es auch im Hospiz-Bereich an genügend Nachwuchskräften. „Wenn sich junge Leute diesen Berufsweg vorstellen können, sollten sie sich zunächst informieren und einen Eindruck bekommen, unabhängig davon, was ihnen Freunde raten“, sagt Pollmeier, die sich durch diesen Job enorm weiterentwickelte. „Ich setze Prioritäten anders und lebe mehr nach dem Motto, dass jeder Tag mein letzter sein kann. Ich versuche, die alltäglichen Dinge mehr zu genießen.“ Eine Erfahrung, die sie Nachwuchskräften gerne vermittelt. „Sie sollten die Chance wahrnehmen, diesen Beruf kennenzulernen, wenn sie sich dafür interessieren. Zwar sterben regelmäßig Menschen im Hospiz, doch worauf es wirklich ankommt, ist, dass sie hier so angenehm wie möglich leben können.“
  

Nachwuchskräfte gesucht

Viele Pflegeeinrichtungen im Raum Oberberg suchen Verstärkung. Nach der Gesetzänderung zum 1. Januar 2020 ist eine Ausbildung in der Pflege nun generalisiert. Heißt: Azubis werden während ihrer dreijährigen Ausbildung in der Alten-, Kranken-, Gesundheits- und Kinderpflege eingesetzt. Voraussetzung dafür ist vielerorts ein Realschulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit anschließender einjähriger Assistenz- oder Helferausbildung in der Pflege. Die Vergütung beträgt meist zwischen 1.000 und 1.200 Euro brutto im Monat.
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