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Anlässlich des 20. Geburtstages von Kölns ältester Damen-Karnevalsgesellschaft spricht Präsidentin Ursula Brauckmann über bewegte Jahre und ihre Wünsche für die Zukunft Image 1
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„Wir mussten hohe Hürden überwinden“: Anlässlich des 20. Geburtstages von Kölns ältester Damen-Karnevalsgesellschaft spricht Präsidentin Ursula Brauckmann über bewegte Jahre und ihre Wünsche für die Zukunft

Colombinen-Chefin Ursula Brauckmann Foto: Jo Fober

Colombina Colonia 

Die Colombina Colonia e. V. feiert in diesem Jahr runden Geburtstag. Vor 20 Jahren wurde die erste Damen-Karnevalsgesellschaft Kölns gegründet. Präsidentin Ursula Brauckmann wirft im Gespräch mit „Karneval im Veedel“ einen Blick zurück auf die Anfänge der „Colombinen“ im Jahr 1999 und verrät, was sie besonders stolz macht.

Welche Hürden galt es in der Anfangszeit der ersten Damengesellschaft im Kölner Karneval zu überwinden?

Ursula Brauckmann: Alle Hürden, die vorstellbar sind. Wir wurden belächelt, denn eine Damen-Karnevalsgesellschaft war damals nicht denkbar. Für das Festkomitee sowieso nicht. Wir sind dann auch zuerst im Bund Deutscher Karneval aufgenommen worden und erst später ins Festkomitee. Es gab Herren, die unkten: „Lasst die erstmal eine Vorstandssitzung abhalten, die reißen sich die Haare aus – dann löst sich der Verein sowieso auf“. Solche Kommentare gab es einige.

War Ihre heutige Ehrenpräsidentin Annegret Cremer die treibende Kraft?

Brauckmann: Auf jeden Fall. Sie hat sich durchgesetzt. Bei Annegret Cremer im Keller in Bickendorf haben sich die 15 Gründungsmitglieder damals getroffen.

Wie kam es zur Namensfindung und standen damals möglichweise noch andere Bezeichnungen in der engeren Auswahl?

Brauckmann: Wir haben lange über den Namen nachgedacht. Es waren ganz viele Namen im Gespräch, zum Beispiel, ob wir uns „Agrippina“ nennen. Dann hatte Sabine Schneller die Idee von der Colombina und das wurde dann im Lexikon nachgeschlagen. Die kokette Zofe aus der Commedia Dell‘Arte, die eine starke selbstbewusste Frau symbolisiert, passt wunderbar als Namensgeberin zu uns und mit dem Zusatz Colonia war der Name gefunden.

Längst sind die Colombinen etabliert und nicht mehr die einzige Damengesellschaft. War der Aufnahmestopp in Ihrer Gesellschaft letztlich der Anlass für die Neugründungen?

Brauckmann: Ich bin froh, dass es heute mehrere Damen-Karnevalsgesellschaften in Köln gibt. Die Neugründungen wären aber sicher auch ohne unseren Aufnahmestopp erfolgt. Wir haben uns ja für den Stopp entschieden, weil wir uns noch kennen wollen. Aktuell gibt es 449 Colombinen und 40 Hospitantinnen.

Gibt es eine Warteliste und benötigen eine Anwärterinnen vielleicht Bürginnen aus der KG?

Brauckmann: Ja, man braucht zwei Patinnen. Wir nehmen nur noch alle zwei Jahre neue Kandidatinnen von der Warteliste auf, die dann eine Hospitanz durchlaufen. In dieser Zeit müssen die Patinnen die Hospitierenden begleiten und nach zwei Jahren wird entschieden, ob es zu einer festen Mitgliedschaft kommt.

Hin und wieder beweisen einige Damen Ihres Vorstands auf Veranstaltungen der Colombinen bei Musikparodien ihr Talent. Sollten die Gesellschaften insgesamt mehr Mut haben, Teile des Programms aus den eigenen Reihen oder mit Nachwuchskünstlern zu bestreiten?

Brauckmann: Das fing bei einer Herrensitzung an, auf der unser Vorstand einen Programmpunkt beigesteuert hat und setzte sich auf einer Weihnachtsfeier mit unseren „Räuberischen Höhner-Fööss“ fort. Das kam so gut an, dass plötzlich jedes Jahr ein Auftritt aus unseren Reihen er wartet wurde. Auf den eigenen Veranstaltungen finde ich das ja ganz lustig, aber wir sind Laien, und die Gäste auf unseren Veranstaltungen dürfen für ihren Eintrittspreis zu Recht Profis erwarten. Übrigens fördern wir den karnevalistischen Nachwuchs intensiv.

"Die Colombina symbolisiert eine starke und selbstbewusste Frau – das passt zu uns"

Vor allem der Sitzungskarneval wird für kleinere Vereine immer schwieriger finanzierbar. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Brauckmann: Die Preisentwicklung ist enorm. Das liegt nicht an uns, sondern am Umfeld. Es liegt auch daran, dass die Künstler mehr nehmen – das sollen sie ruhig, da habe ich nichts gegen. Dementsprechend sind die Karten teurer geworden, und diese Entwicklung ist für die kleineren Vereine problematisch. Bei uns auf der Sitzung gibt es übrigens keinen Weinzwang. Ich glaube, wir waren die ersten, die das eingeführt haben.

Welche Aktivitäten unternehmen die Colombinen außerhalb der Session?

Brauckmann: Ganz viele. Nicht nur gemeinsam, sondern in vielen Abteilungen sind die Colombinen aktiv. Bei uns gibt es Damen, die zum Beispiel Interesse am Golfen haben, am Reiten, am Singen oder an Literatur – um nur einiges zu nennen. So sind schon sehr viele Freundschaften geknüpft worden.

Die Colombinen engagieren sich seit jeher für soziale Zwecke. Welche Projekte unterstützen Sie?

Brauckmann: Projekte für Frauen und Kinder in Köln. Bedingung ist, dass es in Köln ansässige Institutionen sind. Einige unterstützen wir schon seit vielen Jahren. Wir haben eine eigene Spendenbeauftragte, die sich die Institutionen ansieht und dann wird dafür gesorgt, dass das Geld komplett ankommt. Dank der Colombinen-Familie, Freunden und Förderern sind in den letzten 20 Jahren knapp eine Million Euro an Hilfsbedürftige in Köln übergeben worden.

Sie sind Geschäftsführerin eines Unternehmens. Welche Erfahrungen aus dem Berufsleben sind für Sie als Präsidentin einer Damenkarnevalsgesellschaft besonders wertvoll?

Brauckmann: Das absolute Teamwork. Ich habe ja in meinem Beruf überwiegend mit Männern zu tun und bei den Colombinen nur mit Frauen. Aber egal wo: Das Team ist für mich besonders wichtig.

Worauf sind Sie als Präsidentin der Gesellschaft besonders stolz?

Brauckmann: Auf die Colombinen-Familie. Dass jede mit anpackt. Und das es kein Gezicke gibt. Das möchte ich erhalten.

Welche Wünsche und Ziele haben die Colombinen für die Zukunft?

Brauckmann: Dass wir uns weiter in unserer Gesellschaft so gut verstehen. Und dass die Jung-Colombinen weiter so gut integriert werden und nachrücken, damit die Zukunft gesichert ist. Wir sind schließlich erst 20 Jahre jung.

Mit 140 Colombinen in Bayern

Der Besuch auf dem Oktoberfest in München war einer der Höhepunkte im Jubeljahr

O‘zapft is: Die Kölnerinnen ließen es sich auf der Wiesn richtig gut gehen Foto: CC privat
O‘zapft is: Die Kölnerinnen ließen es sich auf der Wiesn richtig gut gehen Foto: CC privat
Schon vor zwei Jahren hatte Colombinen-Präsidentin Ursula Brauckmann die Idee, zum „richtigen Oktoberfest“ nach München zu reisen. „Anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens wollte ich den Kölner Karneval ein bisschen nach München bringen“, erklärt Brauckmann. Rechtzeitig meldete sich die 1. Kölner Damen-Karnevalsgesellschaft schon im Jahr 2017 für den traditionellen Schützen- und Trachtenumzug 2019 an und schickte zugleich die Bewerbungsunterlagen samt Orden an die Prüfungskommission in Bayerns Hauptstadt.

Traumhafte Tage

Aus dem Wunsch, samt der aus dem Rosenmontagszug bekannten Gondel und dem Reitercorps am Umzug teilzunehmen, wurde nichts. Das Gremium erteilte den Colombinen Anfang Februar eine Absage, schickte den Orden gleich mit zurück und bedankte sich für die „Medaille“. Die Gesellschaft passe nicht in den Trachtenumzug, lautete die Begründung. Aber selbst ohne Trachtenumzug hatten die 140 Colombinen viel Spaß. Und so verbrachte die kölsche Delegation drei traumhafte Tage auf der Wiesn.

Premiere für kölsche Musical-Show Mit 140 Colombinen in Bayern

„Colonias Töchter on Tour“: Die CC Voices gastieren im März in der Volksbühne am Rudolfplatz

Schon jetzt wird geprobt: Die CC Voices üben für ihren großen Auftritt Foto: CC privat
Schon jetzt wird geprobt: Die CC Voices üben für ihren großen Auftritt Foto: CC privat
Die CC Voices sind der Chor der Colombina Colonia unter der Leitung von Gabi Klammert-Apfelbeck. Mit großer Begeisterung singen die engagierten Sängerinnen ein breites Repertoire mit rheinischen Liedern, Popstandards und eigenen Songs. Mit „Colonias Töchter on Tour“ bringen sie in Kürze ein kölsches Musical mit Revuecharakter auf die Bühne. Dieses stammt aus der Feder der Chorleiterin sowie ihres Mannes Peter Apfelbeck. Premiere ist am 27. März in der Volksbühne am Rudolfplatz. Weitere Termine sind am 28. und 29. März, Karten gibt‘s bei Kölnticket.

Publikum mitreißen

Mit seiner Spielfreude will das Team das Publikum mitreißen. Viele Akteure und Solisten stammen von den CC Voices. Bei zahlreichen Auftritten sammelte die stimmsichere Truppe in den letzten Jahren Bühnenerfahrung, ein komplettes Musical ist aber auch für sie ein neues Erlebnis.
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