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Der Aufwand lohnt sich: Im Werk Köln-Godorf stehen Wartungsarbeiten an. Hier das Wichtigste zum großen Stillstand.

2.500 zusätzliche Menschen werden während des Stillstands im Werk arbeiten. Bild: von Hoensbroech

Drei Jahre Organisation, Tausende Arbeitsstunden und unzählige Gespräche – Anfang September ist es dann soweit: Dann beginnt der lang geplante Stillstand. So werden die regelmäßig wiederkehrenden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten bezeichnet. Shell Mitarbeiter sowie Kollegen von Partnerfirmen errichten rund 100.000 Kubikmeter Gerüst und bauen etwa 30 Krane auf. 4.800 einzelne Arbeitspakete sind vorgeplant und werden anhand einer Checkliste mit über 50.000 Aktivitäten abgearbeitet. Der detaillierte Terminplan umfasst über 1.200 Seiten. Die Fachkräfte tauschen 50.000 Dichtungen sowie 115.000 Schrauben aus und prüfen knapp 2.500 Druckbehälter, Wärmetauscher, Armaturen und Kolonnen.

Helme, Handschuhe, Sicherheitsschuhe: Ohne die entsprechende Ausrüstung dürfen die Arbeiter nicht in die Anlagen. Zudem gibt es für jeden ausführliche Sicherheitseinweisungen. Bild: von Hoensbroech
Helme, Handschuhe, Sicherheitsschuhe: Ohne die entsprechende Ausrüstung dürfen die Arbeiter nicht in die Anlagen. Zudem gibt es für jeden ausführliche Sicherheitseinweisungen. Bild: von Hoensbroech
Optimale Logistik. Sven Plum, der für den Stillstand zuständige sogenannte Event-Manager der Rheinland Raffinerie, erklärt: „Bis Ende Oktober arbeiten etwa 180 festangestellte Mitarbeiter und rund 2.500 externe Spezialisten im Werk. Insgesamt sind während der ‚Stillstandszeiten‘ mehr als doppelt so viele Menschen wie sonst in der Raffinerie, zusammen etwa 3.500.“ Deren Einsatz und Versorgung erfordern eine genaue Planung auf der Baustelle sowie eine optimale Logistik. „Es gibt ein großes Verpflegungszelt auf dem Gelände, in dem innerhalb von 60 Minuten alle zusätzlichen Personen verköstigt werden können“, so Plum. Im Zentrum für Arbeitssicherheit herrscht dann ebenfalls Hochbetrieb. Denn jeder, der in dieser Zeit in der Raffinerie arbeitet, muss zuvor eine Schulung im Safety Center absolvieren. Zusätzlich finden spezielle Sicherheitsunterweisungen auf dem Werksgelände in den einzelnen Arbeitsbereichen statt.

Millionen investiert. Der Umfang des diesjährigen Stillstands ist besonders groß, die Maßnahmen an sich sind jedoch Routine für die Verantwortlichen der Rheinland Raffinerie. Sie unterziehen in Zusammenarbeit mit dem TÜV einzelne Anlagen oder Anlagenkomplexe der beiden Werke in gesetzlich festgelegten Abständen Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten. Es gibt für jeden Anlagenteil vorgeschriebene Zeitintervalle für die Durchführung dieser regelmäßig stattfindenden Stillstände, auch Turnarounds genannt. Anschließend werden die Anlagen über mehrere Tage hinweg wieder in Betrieb genommen. Der Wert dieser Arbeiten ist enorm: So hat die Rheinland Raffinerie in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro in Instandhaltung, Anlagenintegrität, Verfügbarkeit und Umweltschutz investiert. Und das stets bei laufendem Betrieb. „Die Versorgung der Kunden und die Produktionsströme insgesamt sind durch entsprechende Vorausplanung gesichert“, stellt Plum klar.

Bauteile werden überprüft und falls nötig repariert oder ausgetauscht Bild: von Hoensbroech
Bauteile werden überprüft und falls nötig repariert oder ausgetauscht Bild: von Hoensbroech
Arbeitsplätze sichern. Zusätzlich berücksichtigen die Verantwortlichen bei der Planung eines Turnarounds immer, inwiefern ein solcher Zeitraum für die Optimierung der außer Betrieb genommenen Anlagen genutzt werden kann. „Beim bevorstehenden Stillstand realisieren wir zwei bedeutende Projekte: Einerseits bauen wir den sogenannten Hydrocracker um, andererseits wird die Raffinerie II modernisiert“, führt der Event-Manager aus. Dabei werden Kolonnen, Pumpen, Wärmetauscher und Leitungen gewechselt. „Diese Projekte verbessern zum Beispiel die Anlagensicherheit und Energiebilanz der Anlagen deutlich. Damit investiert Shell in die Zukunftsfähigkeit des Standorts und sichert Arbeitsplätze in den Werken und darüber hinaus“, so Plum.

Gesetzlich vorgeschrieben. Eine unmittelbare Folge der Arbeiten lässt sich leider nicht vermeiden: die erhöhte Fackeltätigkeit während des Stillstands. „Beim An- und Abfahren kann es dazu kommen, dass überschüssiges Gas in der jeweiligen Anlage in den nachgelagerten Prozessen nicht verwertet werden kann und daher kontrolliert über die Fackel verbrannt werden muss. Auch wenn das manchmal beunruhigend aussieht und zum Teil weithin sichtbar ist, ist eine Gefährdung der Nachbarschaft oder Umwelt damit nicht verbunden“, so Plum. Die Fackel ist dabei eine gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitseinrichtung. Es gilt: so selten wie möglich und so oft wie nötig. „Wir möchten das Fackeln natürlich vermeiden, da jeder Fackelstoß für unsere Nachbarn sicht- und hörbar ist“, erklärt Plum.

Behörden informiert. Ebenfalls sichtbar wird der Stillstand auf den Straßen. Um die Auswirkungen für die Nachbarschaft so gering wie möglich zu halten, wurde ein spezielles Verkehrskonzept entwickelt und mit der Stadt Köln abgestimmt. Dieses regelt die Zufahrt der Mitarbeiter und Transporte über die Autobahn 555, Godorfer Hauptstraße und den Kiesgrubenweg. „Parkflächen werden auf Shell Gelände in unmittelbarer Nähe der Tore 1 und 3 vorgehalten“, so der Event-Manager. Außerdem wurden die Kapazitäten im Bereich des Lagers für die Fremdfirmen erweitert. Für den reibungslosen Verkehrsfluss wird auch der Werkschutz aufgestockt. Feuerwehr, Polizei, Stadt, der benachbarte Rhein-Erft-Kreis sowie die Bezirksregierung Köln sind informiert. Es kann losgehen.

Fragen zur Industrie vor Ort?

Das Nachbarschaftsbüro der Wesselinger Industrie in der Bahnhofstraße 33 steht Besuchern montags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr sowie dienstags und freitags von 9 bis 12 Uhr offen.

Unter 0800 2236 750 ist die Rheinland Raffinerie kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.

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4.000 Liter Müll

Mitarbeiter der Industrieunternehmen in Wesseling gingen im März mit gutem Beispiel voran: Mit Tüten und Handschuhen ausgestattet, sammelten 14 Mitarbeiter von Shell und Evonik entlang ihrer jeweiligen Liegenschaften den Müll am Rheinufer auf. Immer wieder finden sich dort Abfälle von Spaziergängern. Gerade in Flussnähe besteht die Gefahr, dass diese in die Gewässer gelangen und zu deren Verunreinigung beitragen. Die Helfer sammelten insgesamt rund 4.000 Liter Müll ein.

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