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Bild: Roland Abel/flyalone/stock.adobe.com

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„Durch die jüngeren Generationen ist eine Dynamik entstanden“ Sich im Alltag umweltbewusst zu verhalten ist nicht einfach. Sabrina Cali vom Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit Köln, erklärt, wie das funktionieren kann

6.01.2021

Frau Cali, Sie gehören zu den Gründerinnen des Bündnisses Kommunale Nachhaltigkeit Köln. Was hat es damit auf sich?

Sabrina Cali: Das Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit Köln wurde im Jahr 2016 gegründet, nachdem die Vereinten Nationen ihre Nachhaltigkeitsziele formuliert hatten. Zuvor bestanden in Köln bereits verschiedene Gruppen und Initiativen, die sich mit diesen Themen beschäftigt haben. Mit der Gründung des Bündnisses haben sich schließlich mehr als 40 gemeinnützige Vereine zusammengetan, um gemeinsam daran zu arbeiten, dass diese Ziele in unserer Region aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet und somit bestmöglich umgesetzt werden.

Wie kann das gelingen?

Cali: Zunächst war es wichtig, dass für die Menschen in Köln eine Dachorganisation für Nachhaltigkeit entsteht. Die 17 Nachhaltigkeitsziele geben unserer Bevölkerung darüber hinaus einen defi nierten Rahmen, an dem sich die Menschen orientieren können. Zudem geht es uns darum, zu erreichen, dass die Verwaltung und der Rat in Köln eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Stadt entwickelt, und zwar entlang dieser Ziele. Das ist bislang allerdings nicht passiert.

Warum nicht?

Cali: Uns wurde gesagt, dass eine Gesamtstrategie für Köln entwickelt wird, die sich „Kölner Perspektiven 2030+“ nennt. Innerhalb dieser Strategie haben wir uns letztlich dafür eingesetzt, dass die 17 Nachhaltigkeitsziele dort verankert werden. Des Weiteren verfolgen wir das Ziel, Expertise zu sammeln. Um Aufmerksamkeit für unsere Vorhaben zu bekommen, organisieren wir darüber hinaus Veranstaltungen, bei denen für Nachhaltigkeit geworben wird. So hatten wir im Frühjahr beispielsweise mit den Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl öffentlich über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen. Heißt: Wir versuchen regelmäßig mit politischen Vertretern im Austausch zu sein.

Wie genau organisiert sich das Bündnis in Köln?

Cali: Normalerweise treffen sich die verschiedensten Vertreter zwei Mal im Jahr zu einem Plenum, meist im Frühjahr und im Herbst. Dabei werden wichtige Entscheidungen getroffen und Informationen weitergegeben. Um die Lobbyarbeit und die administrative Organisation des Bündnisses kümmert sich wiederum eine gewählte Koordinierungsgruppe, die sich monatlich trifft. Sie bietet allen Bündnismitgliedern einen in unregelmäßigen Abständen erscheinenden Newsletter an, der Neues aus der Stadtpolitik und -verwaltung sowie Informationen zum Bündnis beinhaltet. Auch dadurch gelingt es uns, in Zukunft weiter zu wachsen und noch vielfältiger werden. Außerdem möchte ich betonen: Bei uns sind alle zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen Kölns herzlich zum Beitritt eingeladen, wenn sie sich im Sinne der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung in Köln einsetzen möchten.

Was konnten Sie bisher erreichen?

Cali: Dass die 17 Nachhaltigkeitsziele zumindest in die Stadtstrategie integriert wurden, war bereits ein Erfolg für uns. Ohne unseren Einsatz wäre das vermutlich eher nicht passiert. Zudem sind wir im ständigen Kontakt mit dem Amt der Stadtentwicklung, das diese Strategie koordiniert hat. Dort soll nun eine Person eingestellt werden, die sich explizit um die 17 Nachhaltigkeitsziele und deren Umsetzung kümmert. Darauf haben wir stets gepocht und sind froh, dass diese Stelle nun besetzt wird. Aber auch auf anderem Wege konnten wir die Menschen in Köln bereits auf die Ziele aufmerksam machen.


Bild: zVg
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"Es lohnt sich die 17 Ziele zu erreichen, da so nicht nur eine, sondern gleich mehrere Dimensionen von Nachhaltigkeit abgedeckt werden"

Sabrina Cali vom Bündnis Kommunale Nachhaltigkeit Köln  


Inwiefern?

Cali: Durch unsere Website, durch Social-Media-Kampagnen, aber auch abseits des Internets. So haben wir beispielsweise Bierdeckel entworfen, auf dem vorne ein kölsches Motiv abgebildet war und hinten eines der 17 Nachhaltigkeitsziele. Diese Bierdeckel haben wir letztlich in vielen Kneipen verteilt, wodurch das Thema wohl zumindest ein Stück weit mehr in die Kölner Bevölkerung getragen wurde.

Warum lohnt es sich, diese Ziele zu verfolgen?

Cali: Alle Menschen der Welt sollen eine ähnlich gute Perspektive haben. Zudem geht es darum, dass die Umwelt erhalten und die Welt damit lebenswert bleibt. Aber auch Gerechtigkeit zwischen den Ländern sowie zwischen den Geschlechtern spielt eine Rolle. Es lohnt sich also diese Ziele zu erreichen, weil sie nicht nur eine, sondern mehrere Dimensionen von Nachhaltigkeit abdeckt. Wenn wir uns nun an diesen Zielen orientieren und sie umsetzen, dann sind wir auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung und vor allem auch in einer zukunftsfähigen Welt, in der Menschen gerne leben wollen.

Sind sich bisher zu wenige Leute über die Konsequenzen bewusst, wenn sich die Bevölkerung nicht nachhaltig genug verhält?

Cali: Meiner Erfahrung nach hat die Sensibilität für das Thema Nachhaltigkeit in den letzten drei bis vier Jahren deutlich zugenommen. Das Bewusstsein für Umwelt, Klimaschutz und weitere soziale Themen ist nun insgesamt ein größeres. Allerdings habe ich das Gefühl, dass in Städten eine stärkere Auseinandersetzung mit diesen Themen stattfindet als in ländlichen Regionen.

Liegt die erhöhte Diskussionsdichte vor allem an den jüngeren Generationen, die zuletzt selbst stark auf diese Themen aufmerksam gemacht haben?

Cali: Ich arbeite mit Menschen zusammen, die sich schon seit Jahrzehnten mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Auch sie merken, dass sich bei vielen Leuten ihrer Generation etwas tut. Aber natürlich ist das Thema vor allem durch die jüngeren Generationen mehr in die Öffentlichkeit gerückt worden, durch sie ist eine neue Dynamik entstanden. Die Friday-for-Future-Bewegung hat diesbezüglich mit Sicherheit viel bewirkt. Auch ältere Generationen sind dadurch motiviert worden, an diesem Thema dranzubleiben und sich weiter dafür zu engagieren.

Was können Menschen in Köln konkret tun, um im Alltag nachhaltiger zu handeln?

Cali: Dafür gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass die Menschen ihr Verhalten anpassen und in ihrem Lebensstil Dinge verändern. Das kann beispielsweise dadurch passieren, dass sie weniger oft mit dem Auto fahren und sich mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad bewegen. Zudem lohnt es sich darüber nachzudenken, mehr regionale Produkte zu essen, wie viele neue Klamotten eigentlich wirklich gekauft werden müssen und inwiefern im Alltag Müll vermieden werden kann. Es lohnt sich also immer die Frage zu stellen, ob bestimmte Dinge unkompliziert auch auf andere Weise erledigt werden können als bisher. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich mit anderen Personen zusammenzutun und dadurch mehr über das Thema zu erfahren. Denn genau dieser Diskurs ist sehr wichtig, da viele Menschen sich womöglich zunächst ein wenig von der Fülle der 17 Nachhaltigkeitsziele erschlagen fühlen.

Warum vermuten Sie das?

Cali: Sie können sich nicht vorstellen, wie diese Ziele allesamt im Detail erreicht werden sollen. Und das kann ich auch verstehen. Aber genau deshalb ist es wichtig zu schauen, welches Ziel einer Person besonders wichtig ist und ihr kompetente Ansprechpartner an die Hand zu geben, die sich dafür einsetzen. Denn auf diese Art bleibt das Interesse der jeweiligen Person erhalten, ansonsten würde sie sich womöglich nicht weiter damit beschäftigen. Aus diesem Grund haben wir auf unserer Website die Rubrik „Selbst aktiv werden“. Nach Schlagwörtern sortiert finden sich dort Organisationen, die sich in Köln für bestimmte Schwerpunkte einsetzen.
  

Kurz & kompakt

17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen (UN) 17 Ziele für eine nachhaltige globale Entwicklung festgeschrieben, welche weltweit der Sicherung eines möglichst umweltgerechten Fortschritts auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Diese sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals) sind Teil der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Folgende Ziele wurden festgelegt:

1. Keine Armut
Armut soll in all ihren Formen und weltweit vermieden werden.

2. Kein Hunger
Ernährungssicherheit soll durch nachhaltige Landwirtschaft erreicht werden.

3. Gesundheit und Wohlergehen
Gesundes Leben für alle gewährleisten und Wohlbefinden fördern.

4. Hochwertige Bildung
Allen Menschen sollen Zugang zu hochwertigen Bildungsangeboten bekommen.

5. Geschlechtergleichheit
Frauen und Mädchen sollen überall zur Selbstbestimmung befähigt sein.

6. Sauberes Wasser
Sanitäranlagen und sauberes Wasser sollen für alle Menschen verfügbar sein.

7. Bezahlbare und saubere Energie
Der Zugang zu nachhaltiger Energie soll weltweit möglich gemacht werden.

8. Menschenwürdige Arbeit
Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit sollen im Einklang stehen.

9. Industrie, Innovation, Infrastruktur
Infrastruktur aufbauen, nachhaltige Industrialisierung, Innovationen fördern.

10. Weniger Ungleichheiten
Die Ungleichheiten zwischen den Ländern der Erde sollen angeglichen werden.

11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
Siedlungen sollen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig sein.

12. Nachhaltige Produkte
Durch veränderte Produktionen soll der Konsum deutlich nachhaltiger werden.

13. Maßnahmen zum Klimaschutz
Ernährungssicherheit soll durch nachhaltige Landwirtschaft erreicht werden.

14. Leben unter Wasser
Ozeane, Meere und Meeresressourcen sollen bestmöglich erhalten bleiben.

15. Leben an Land
Ökosysteme sollen geschützt und biologische Vielfältigkeiten erhalten bleiben.

16. Frieden und Gerechtigkeit
Friedliche und inklusive Gesellschaften sollen bestmöglich entwickelt werden.

17. Partnerschaften zur Zielerreichung
Umsetzungsmittel deutlich stärken und globale Partnerschaften fördern.