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Die Idee von der großen Sozialreform: Im Jahr 2016 wurde sie ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen

Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen (1818–1888) zählte zu den Gründern der genossenschaftlichen Bewegung Bild: Deutscher Raiffeisenverband

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwarf Friedrich Wilhelm Raiffeisen aus einer Notsituation heraus das Konzept eines genossenschaftlichen Vereins. Dieser sollte die Chancen der hungernden Bauern in seiner Gemeinde auf ein würdiges Leben verbessern. In der Folge entwickelte der Reformer seine Idee weiter. Der Kern seines Handelns findet sich am ehesten in seinem bekanntesten Zitat wieder: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“

Große Ehrung. „Die Genossenschaftsidee, die vor zwei Jahren von der UNESCO in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde, ist aktueller denn je und das machen wir im Raiffeisen-Jahr 2018 deutlich“, sagt Werner Böhnke, Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen- Gesellschaft. Er unterstrich zugleich die Zukunftsfähigkeit einer Idee, die sich seit nahezu 200 Jahren bewährt. „Genossenschaften boomen in Deutschland, neben dem Bankenbereich vor allem im Agrar-, Energie-, Wohnungs-, Sozial- und Bildungsbereich“, so Böhnke weiter.

Aktueller denn je. Sich gemeinsam verantwortlich zeigen, um die Zukunft gestalten zu können, habe dank Raiffeisen eine starke Tradition im Westerwald, sagte die rheinland-pfälzische Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler: „Wie damals, als Raiffeisen den ,Brodverein‘ in Weyerbusch ins Leben rief, wollen wir, dass unser Zusammenleben geprägt ist von einem sozialen Miteinander. Gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung, der technischen Entwicklung und der wachsenden Automatisierung haben Gemeinsinn und Zusammenhalt, die die Basis von Raiffeisens Kooperationsgedanken bilden, einen hohen Stellenwert verdient“, so die Ministerin.

Hin zur Selbstbestimmung. Auch der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags, Hendrik Hering, würdigt den Vordenker der Genossenschaften und dessen Idee. „Die Genossenschaften stehen für Demokratie im Wirtschaftsleben. Sie haben es im ausgehenden 19. Jahrhundert der Landbevölkerung und der städtischen Arbeiterschaft ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und sich aus Abhängigkeiten zu befreien.“ Sie hätten dazu beigetragen, aus der ausgebeuteten Land- und Stadtbevölkerung freie Bürgerinnen und Bürger zu machen. Genossenschaften seien aus diesem Grunde ein wichtiger Bestandteil einer gleichermaßen marktwirtschaftlichen wie solidarischen und demokratischen Ordnung.

Säulen der Genossenschaft. Raiffeisen erhielt für seine Reformideen nicht nur Zustimmung. Er zeigte, dass Ökonomie mit Nächstenliebe durchaus zu verbinden seien. Er dachte und handelte auf der Basis eines festen Wertekonzepts. Ihm war immer klar: Was du tust, musst du auch immer verantworten können und wollen. Unter diesem Gesichtspunkt ist Raiffeisen unmissverständlich ein Provokateur gegen Selbstgewissheit und Selbstzufriedenheit. Im Zentrum allen Handelns stehe Selbstverantwortung, -hilfe und -verwaltung. Das seien die Säulen der Genossenschaften. Diese Haltung bewegt weiterhin Menschen und Märkte. Immer mehr entdecken diese Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens – ob auf der Suche nach fairen Finanzprodukten, nachhaltiger Landwirtschaft, unabhängiger Energieversorgung oder bezahlbarem Wohnraum: Hier zählt das Wohl aller, nicht der Profit weniger.

Was ist eine Genossenschaft?

Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von Personen, die ein gemeinsames Interesse mithilfe eines gemeinsamen Geschäftsbetriebs verfolgen. In Genossenschaften sind die Kunden zugleich Mitglieder und Miteigentümer. Der Vereinigung können wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Gründe zugrunde liegen. Sie unterstützen Selbstständige im Wettbewerb – ob durch gemeinschaftlichen Einkauf von Rohstoffen oder gemeinsamen Vertrieb.

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