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Regeln zur Bestattung: Das müssen Angehörige beachten

Die Erben müssen die Kosten für die Grabpflege nicht tragen, sie ist laut Bundesgerichtshof nur eine sittlich-moralische Verpflichtung Bild: Ruckszio/stock.adobe.com

Neben der klassischen Erd- oder Feuerbestattung werden andere Formen wie die Baum- oder Seebeisetzung immer beliebter. In Nordrhein-Westfalen ist sogar nach vorheriger Genehmigung die Ausstreuung der Asche außerhalb eines Friedhofsgeländes erlaubt. Die Entscheidung für eine bestimmte Bestattungsform löst oft Streit zwischen den Hinterbliebenen aus. Gleiches gilt für die Frage, wer die Kosten dafür zu tragen hat.

"Am besten werden die Vorstellungen vor dem Tod festgehalten"

Der Nächste entscheidet

Das Recht und die Pflicht, über den Leichnam und die Art der Beisetzung zu bestimmen und die Ruhestätte auszuwählen, steht entgegen einer weit verbreiteten Ansicht nicht automatisch dem Erben zu. Maßgeblich ist der Wille des Verstorbenen. Lässt sich dieser nicht hinreichend feststellen, gilt, da eine gesetzliche Regelung fehlt, folgende gewohnheitsrechtlich anerkannte Reihenfolge der Entscheidungsträger: Ehegatte, Kinder, Eltern, Geschwister. Erbt also ein Kind, ändert dies nichts daran, dass die Totenfürsorge dem überlebenden Ehegatten zusteht. Dieser darf über die Beerdigung entscheiden.

Totenfürsorge festlegen

Um Probleme mit der Art der Bestattung erst gar nicht entstehen zu lassen, ist es ratsam, neben einem Testament die Vorstellungen der Beisetzung in einer gesonderten Verfügung zu regeln. In dieser sollte auch eine Anordnung zum Totenfürsorgeberechtigten getroffen werden. Dabei muss keine bestimmte Form eingehalten werden. Ein Muster finden Interessierte etwa auf www.jurapartner.de.

Öffentlicher Träger

Von der Totenfürsorgeberechtigung zu unterscheiden ist die sogenannte Bestattungspflicht. Sie regelt, wer für das Begräbnis verantwortlich ist und die Kosten zu tragen hat, wenn die Beerdigung durch einen öffentlichen Träger durchgeführt wird, weil die Erben sich darum nicht kümmern. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, weil sie das Erbe aufgrund von Überschuldung des Nachlasses ausschlagen. Gesetzliche Regelungen der einzelnen Bundesländer bestimmen die Bestattungspflicht. In NRW sind dies: Ehegatte oder Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern, volljährige Geschwister, Großeltern oder volljährige Enkelkinder.

Erben zahlen

Ansonsten müssen die Erben die Kosten einer angemessenen Beerdigung aus dem Nachlass bezahlen. Geht der Totenfürsorgeberechtigte damit in Vorlage, besteht ein Erstattungsanspruch gegen die Erben. Die Erstattungspflicht umfasst dabei jedoch nicht alle Kosten. Entscheidet sich der Ehegatte etwa für ein Doppelgrab, weil er dort später neben seinem Partner beerdigt werden will, muss der Erbe diese Zusatzkosten nicht tragen. Zu ersetzen sind grundsätzlich Grabkosten, die Ausgaben für den Bestatter, die übliche Feier, Grabstein, die Erstanlage der Grabstätte, Todesanzeigen, Danksagungen und die Sterbeurkunde. Die Rechtsprechung ist in diesem Bereich leider nicht immer einheitlich.

Auflage im Testament

Besonders problematisch ist die Frage der Kostenübernahme für die Pflege der Ruhestätte. Der Bundesgerichtshof sieht in der Grabpflege nur eine sittlich-moralische Verpflichtung, sodass die Erben die Kosten dafür nicht tragen müssen. Auch die Grabpflege gilt es also zu regeln. Dazu kann noch zu Lebzeiten ein Grabpflegevertrag abgeschlossen werden oder der Erblasser kann die Erben oder einen Vermächtnisnehmer mit einer Auflage im Testament zur Grabpflege verpflichten und anordnen, dass die Kosten dem Nachlass zu entnehmen sind.

Ralf Alexander Muhs
Fachanwalt für Erbrecht
JURAPARTNER Rechtsanwälte Fachanwälte
www.jurapartner.de

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