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Enttäuschendes Erbe: Wer ein Testament anfechten möchte, muss etwa Manipulation oder Irrtum nachweisen

Beweisbarkeit ist oft schwierig – ein Anwalt hilft Bild: jaguardo - stock.adobe.com

Nach der Eröffnung eines Testaments tritt im Umfeld des Erblassers mitunter Ernüchterung ein. Oft stellt sich bei den Betroffenen die Frage, ob es die Möglichkeit gibt, das als ungerecht empfundene Testament anzugreifen und zu beseitigen. In Deutschland gilt jedoch der Grundsatz der Testierfreiheit. Diese schützt den freien und unverfälschten Willen des Erblassers. Er soll über sein Vermögen nach seinen Vorstellungen uneingeschränkt verfügen können.

Frei von Beeinflussung

Daher werden an die Wirksamkeit eines Testaments keine hohen Anforderungen gestellt. Es reicht, wenn der Erblasser das Testament handschriftlich verfasst, unterzeichnet und datiert. Zudem muss er es frei von Beeinflussungen durch Dritte verfasst haben, und geistig hierzu noch in der Lage gewesen sein. Diese Punkte prüft das Nachlassgericht. Dabei ist der Inhalt des Testaments auszulegen, wobei nicht nur der Wortlaut, sondern auch der wahre Wille des Erblassers maßgeblich ist.
  
Vor Gericht belegen

Will jemand das Testament mit der Begründung angreifen, dass der Erblasser zum Zeitpunkt der Errichtung testierunfähig war oder das Testament gefälscht sei, so muss diese Behauptung zur Überzeugung des Gerichts bewiesen werden. Dies kann durch Einholung von Sachverständigengutachten, der Vorlage von ärztlichen Attesten oder handschriftlichen Dokumenten gelingen. Steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass das Testament unwirksam ist, ist es wirkungslos. Als Folge wird ein früheres Testament gültig, oder die gesetzliche Erbfolge tritt ein. Liegt hingegen ein formwirksames Testament vor, so gibt es die Möglichkeit, dieses durch Anfechtung zu beseitigen.
  
Zeitpunkt der Errichtung

Die Anfechtung eines Testaments durch die Betroffenen ist möglich, wenn der Erblasser zum Zeitpunkt der Errichtung nachweislich von Dritten manipuliert wurde oder sich über den Inhalt im Irrtum befand. Eine Anfechtungsmöglichkeit kann bestehen, wenn der Erblasser einen zur Zeit des Erbfalls vorhandenen Pflichtteilsberechtigten übergangen hat, dessen Dasein ihm unbekannt war, oder der erst nach der Errichtung geboren oder pflichtteilsberechtigt geworden ist. Eine Anfechtung kann zudem aus Gründen der Erbunwürdigkeit erfolgen. Diese ist gesetzlich geregelt, etwa bei vorsätzlicher Tötung des Erblassers, Täuschung, Drohung oder Anwendung von Gewalt.

Frist einhalten

Für eine erfolgreiche Anfechtung kommt es darauf an, ob der Inhalt des Testaments dem Willen des Erblassers entspricht. Neidgefühle gegenüber den bedachten Personen oder eine Enttäuschung über den Inhalt des Testaments sind für sich genommen keine hinreichenden Anfechtungsgründe. Die Anfechtung muss binnen Jahresfrist gegenüber dem zuständigen Nachlassgericht erklärt werden. Anfechtungsberechtigt ist nur derjenige, welchem die Aufhebung des Testaments unmittelbar zustatten kommen würde. Es muss also die Situation vorher und nachher verglichen werden. Wer nach der Einwendung am Nachlass beteiligt ist, ist auch zur Anfechtung des Testaments berechtigt. Bei dem Veto wegen Irrtums kann nur derjenige die Verfügung anfechten, auf den sich der Irrtum bezieht. Wer ein Testament errichtet, sollte schon bei der Abfassung darauf achten, Fehler zu vermeiden, die zu einer späteren Anfechtung führen können. Stellt sich demgegenüber später heraus, dass Gründe vorliegen, die zu einer Anfechtung berechtigen würden, sollte unbedingt Rat bei einem Fachanwalt für Erbrecht gesucht werden, da die Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen und der Beweisbarkeit der Anfechtungsgründe oft schwierig ist.

Ralf Alexander Muhs
Fachanwalt für Erbrecht
Jurapartner Rechtsanwälte
Fachanwälte
  
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