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Wunderschön und heikel: Mit einem erlesenen Sängerensemble kommt Strauss’ Opernjuwel „Ariadne auf Naxos“ auf die Bühne der Kölner Philharmonie

Cornelius Meister

Strauss als Opernkomponist, das ist ein besonderer Fall in der Musik- und vor allem Operngeschichte. 15 abendfüllende Werke fürs Musiktheater hat er hinterlassen – und damit einen Werkkanon, wie er vielgestaltiger kaum sein könnte. Denn Strauss’ Opernschöpfungen sind in ihrer Stilistik, Musiksprache und Ästhetik ein erstaunlich heterogener Kosmos. Nach den ersten Gehversuchen mit Guntram und Feuersnot, schlägt schon die Salome einen sensationell neuen Ton an, schwelgerisch-schwülstig, orientalistisch und vor allem: zukunftsweisend. Mit Elektra geht er sogar noch einen Schritt weiter in eine harmonisch kühne, zukunftsvisionäre Klangsprache voller archaischer Wucht. Ganz am Ende steht im Gegenzug das völlig reduzierte Konversationsstück Capriccio – und dazwischen Werke wie der süffig-walzerselige Rosenkavalier oder die ätherisch schimmernde Daphne. Kein Werk gleicht hier dem anderen, was auch für seine Ariadne auf Naxos gilt: ein seltsam zwittriges Stück, das lange um die Gunst des Publikums buhlen musste. Was sicher auch an dem vertrackten Libretto liegt: Am Hof eines reichen Grafen soll die Oper Ariadne auf Naxos gezeigt werden, doch kurz vor der Aufführung erfährt der Komponist, dass auch noch das lustige Tanzspiel „Die ungetreue Zerbinetta mit ihren vier Liebhabern“ erklingen soll. Und es kommt noch schlimmer: Der Graf wünscht sich sogar, beide Stücke gleichzeitig vorgeführt zu bekommen. Zu dieser Textvorlage, die von Hugo von Hoffmannsthal zusammengestellt wurde, komponierte Strauss im Vorspiel zur „eigentlichen“ Oper in eher strengen Rezitativen, während er für den zweiten Teil auf Formen der Barockoper zurückgriff – die pausenlos ineinander übergehen. Vor allem aber füllt Strauss diese mit einigen seiner genialsten Einfällen und schuf damit nahezu ikonische Arien für die jeweiligen Stimmfächer: wunderschön und heikel für die Sänger. Vor allem die Frauenstimmen hat der Komponist in seiner Ariadne reich beschenkt, war er doch mit einer Sopranistin verheiratet. Was ihn jedoch nicht davon abhielt, fast schon unverschämte Hürden in seine Arien einzubauen, etwa in Zerbinettas „Großmächtige Prinzessin“, in der die Koloraturen knallen müssen wie die Korken aus den Champagnerflaschen. Oder Ariadnes „Es gibt ein Reich“, in der die Sängerin in für einen Sopran ungeheuerliche Tiefen absteigen muss. Mit Simone Schneider steht in Köln dafür eine Künstlerin zur Verfügung, die sich auskennt mit „schwierigen“ Rollen, und die im Juni am Opernhaus Stuttgart auch szenisch in dieser Partie auf der Bühne steht. Dass zudem das Staatsorchester Stuttgart unter Cornelius Meister spielt, ist eine schöne Randnotiz, wurde das Werk dort doch am 25. Oktober 1912 zur Uraufführung gebracht – und fiel durch. Erst in der überarbeiteten Fassung begeisterte es schließlich das Publikum. Bjørn Woll

05.06.2019
Mittwoch 20:00

Simone Schneider Sopran
David Pomeroy Tenor (Bacchus)
Beate Ritter Sopran (Zerbinetta)
Paweł Konik Bariton (Harlekin)
Heinz Göhrig Sopran (Scaramuccio)
u.a.

Staatsorchester Stuttgart
Cornelius Meister Dirigent

Richard Strauss
Ariadne auf Naxos op. 60 (II) TrV 228a (1916)
Oper in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel.
Libretto von Hugo von Hofmannsthal

konzertante Aufführung

€ 79,– 69,– 56,– 42,– 29,– 10,–

Klassiker! 7
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Zu Gast - F.P. Zimmermann

Es sollte das Werk werden, das sein gesamtes Schaffen krönt. Aber bei der Uraufführung von Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 („Pathétique“) im Oktober 1893 war das Publikum vor allem irritiert von der ungewöhnlichen Form wie vom emotionalen Überdruck der Musik. Neun Tage später starb der Komponist an der Cholera. Vermutlich hatte er verseuchtes Wasser aus der Newa getrunken. Ob aus Versehen oder Absicht, darüber streiten die Forscher bis heute. Die „Pathétique“ erzählt von Lebensrausch und Todesschwärze, von ekstatischem Taumel und jähem Absturz. Michael Sanderling, der scheidende Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, stellt dieser sinfonischen Lebensbeichte Musik der heiteren Grazie entgegen: eine Suite, die Paul Hindemith aus duftig kolorierten französischen Renaissance-Tänzen zusammenstellte. Im Violinkonzert Nr. 2, das der tschechische Komponist Bohuslav Martinů 1943 im amerikanischen Exil schrieb, begegnen sich beide Klangsphären - slawische Glut und französischer Esprit. Der Solist Frank Peter Zimmermann ist regelmäßig beim WDR Sinfonieorchester zu Gast. Eine beeindruckende Karriere führte den 1965 in Duisburg geborenen Geiger seit den achtziger Jahren auf die größten Podien der Welt; seine CD-Einspielungen wurden mit zahlreichen Preisen dekoriert. Trotzdem ist er immer ein Kind der Region geblieben: Offen, bodenständig, uneitel.

07.06.2019
Freitag 20:00

Frank Peter Zimmermann Violine
WDR Sinfonieorchester
Michael Sanderling Dirigent

€ 45,– 36,– 27,– 18,– 16,– 9,– | Z: € 27,–

Die Legende lebt!

Der Concentus Musicus Wien

Concentus Musicus
Concentus Musicus

28.05.2019
Dienstag 20:00

Concentus Musicus Wien
Stefan Gottfried Dirigent

Werke von Henry Purcell und Jean-Philippe Rameau

€ 44,– 38,– 32,– 26,– 19,– 10,–
Baroque ... Classique 7

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