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Mit Mozart und Schubert beendet Countertenor Valer Sabadus seine Porträt-Reihe in der Kölner Philharmonie. Das verspricht neue Hörerfahrungen. Image 1
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Selbstbewusster Grenzgänger: Mit Mozart und Schubert beendet Countertenor Valer Sabadus seine Porträt-Reihe in der Kölner Philharmonie. Das verspricht neue Hörerfahrungen.

Valer Sabadus

Vor nicht allzu langer Zeit wäre ein solches Programm noch undenkbar gewesen: ein Countertenor, der Lieder von Franz Schubert singt. Doch mit fast schon Überschallgeschwindigkeit hat sich diese Stimmgattung in den letzten gut 20 Jahren weiterentwickelt. Alfred Deller, der Urvater aller modernen Countertenöre, hatte mit allerlei Ressentiments zu kämpfen, als er zur Mitte des letzten Jahrhunderts die hohe Stimmlage für die Männer zurückeroberte. Und selbst Jochen Kowalski, ebenfalls ein Pionier des Falsettgesangs, galt in den 1980er und 1990er Jahren noch als Kuriosum – und erntete regelmäßig Lacher im Publikum. Doch das sind tempi passati, die junge Riege an Countertenören ist vor allem eins: hervorragend ausgebildet und selbstbewusst.

Die Stimme entwickelt sich

Heute beschränken sie sich nicht mehr nur auf die ehemaligen Kastratenrollen des Barock, auf Händel, Vivaldi und Caldara. Auch wenn das nach wie vor die musikalische Heimat vieler Countertenöre ist, da macht Valer Sabadus keine Ausnahme: Sein Debüt-Album etwa war vergessenen Werken von Johann Adolph Hasse gewidmet – gesungen mit dem frischen, funkelnden Klang einer noch jungen Countertenorstimme. Doch stetig haben Sabadus und Konsorten das akzeptierte Repertoire für Countertenor erweitert, so wie Franco Fagioli, der mittlerweile mit Arien von Rossini sogar im 19. Jahrhundert angekommen ist. Bei Valer Sabadus sind es dann Gluck und Mozart, in deren Schaffen er »wildert« und zu denen er auch schon vielbeachtete CD-Einspielungen vorgelegt hat. Diese Facette seiner Sangeskunst zeigt er nun auch im Konzert in der Kölner Philharmonie.

Darin geht er sogar noch einen Schritt weiter, ganz ähnlich wie sein Kollege Philippe Jaroussky. Der hat vor gut zehn Jahren ein Album mit dem klangvollen Namen »Opium « veröffentlicht. Darauf zu hören: französische Mélodies von Massenet, Fauré und Debussy, gesungen mit geradezu verführerischem Charme – frech und neuartig für unsere Hörgewohnheiten in diesem Repertoire. Auf ebendiesen Pfaden wandelt nun auch Valer Sabadus, wenn er Kompositionen des Liederfürsten Franz Schubert singt, »was ich noch nicht so oft gemacht habe«, wie er bescheiden ergänzt. Doch längst hat sich aus dem Sänger-Rohdiamanten ein funkelndes Juwel entwickelt, sind Stimme und Künstler gereift, hat sein ätherischer Counter mehr Körper, mehr Rundung, mehr Volumen bekommen. »Ich habe als Sopranist begonnen, mich so langsam aber auf die Mezzosopran-Partien spezialisiert «, beschreibt er selbst diese Entwicklung. »Dass sich die Stimme entwickelt und verändert, merkt man meist zuerst am Repertoire. Partien, die ich vor ein paar Jahren noch mit Leichtigkeit gesungen habe, liegen mir heute nicht mehr so bequem. Ich merke zum Beispiel, dass mir die Sopranhöhe nicht mehr unbedingt leicht fällt, weil sich die Stimme gesetzt hat. Dafür gewinnt sie in anderen Bereichen, und auch die Erfahrung wird größer, Stimme und Körper sind mehr im Einklang. « Und eben diese Reife und Erfahrung sind es, die ihm diese spannenden Ausflüge über das Kernrepertoire für Countertenor hinaus ermöglichen. Bjørn Woll

25.03.2019
Montag 20:00

Mythos

Valer Sabadus Countertenor
Anne Katharina Schreiber Violine
Corina Golomoz Viola
Kristin von der Goltz Violoncello
Miriam Shalinsky Kontrabass
Kristian Bezuidenhout Hammerklavier

Franz Schubert
Adagio G-Dur D 178 (1815) für Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart
»Perché tacer degg'io ... Cara, lontano ancora«. Rezitativ und Arie aus: Ascanio in Alba KV 111 (1771)
Festa teatrale in zwei Akten. Libretto von Giuseppe Parini
»Venga pur«. Arie des Farnace aus: Mitridate, Re di Ponto KV 87 (74a) (1770)
Opera seria in drei Akten. Libretto von Vittorio Amadeo Cigna-Santi

Franz Schubert
Ganymed op. 19,3 D 544 (1817)
für Singstimme und Klavier. Text von Johann Wolfgang von Goethe

Franz Schubert
Gruppe aus dem Tartarus op. 24,1 D 583 (1817)
für Singstimme und Klavier. Text von Friedrich Schiller

Joseph Haydn
Sonate für Cembalo g-Moll Hob. XVI:44 (um 1771–73)
Arianna a Naxos Hob. XXVIb:2 (1789)
Kantate für Sopran und Klavier

Franz Schubert
Trio für Violine, Viola und Violoncello
B-Dur D 581 (1817)

Lucia Ronchetti
Speranze fuggite, sparite da me (2018)
Drammaturgia für Countertenor und Ensemble nach der Oper »Giasone« von Francesco Cavalli.
Text von Giacinto
Andrea Cicognini Uraufführung

Gefördert durch das Kuratorium
KölnMusik e.V.

19:00, Einführung in das Konzert durch
Bjørn Woll, Empore
€ 30,–
Kammermusik 5

Unberechenbar

Der Pianist Grigory Sokolov

Grigory Sokolov
Grigory Sokolov
Es gibt sie, aber sie ist leider schwer zu definieren: die Aura, wenn ein Musiker die Bühne betritt, dann der erste Ton anhebt und das Publikum in Stille versinkt und den Atem anhält. Zugegeben, man muss sie suchen, die Künstler, die diese Aura ausstrahlen. Grigory Sokolov zählt gewiss dazu. Er ist ein Ausnahmepianist, in mehrfacher Hinsicht. Wenn er am Klavier sitzt, erkennt man kaum eine Regung, als ginge ihn das, was er musikalisch mitzuteilen hat, kaum etwas an. Das Gegenteil aber ist der Fall. Sokolov bereitet sich immer akribisch vor, außerdem nimmt er alles wahr. Das zumindest hat sein Manager einmal versichert, denn Sokolov selbst spricht mit der Presse kaum, am liebsten gar nicht. Sokolov hat sich früh emanzipiert, er war nie Teil des heutigen Musik-Marktes. Er spielt, wo er will, was er will, wann er will. Mit Orchestern tritt er nicht mehr auf. Jedes mediale Drumherum ist ihm ein Kreuz. Er liebt die Konzentration aufs Kerngeschäft, und das wiederum erstreckt sich bei seinen Abenden oft auf über zweieinhalb Stunden. Mag das offizielle Programm noch so kurz erscheinen, Sokolov ist spendabel, wenn es um Zugaben geht. Seine »Encores« sind inzwischen legendär, ihre Zahl und ihre Auswahl. Es kann sich um Entlegenes russischer oder französischer Provenienz handeln, aber auch um Musik des Armeniers Komitas oder Petitessen von William Byrd, oder schlicht um kleinere Werke von Schubert oder Chopin. Sokolov ist ein Überraschungskünstler, in jeder Hinsicht. Selbst wenn er Standardwerke des Repertoires spielt – und das ist inzwischen ausschließlich der Fall – sind seine Deutungen nie stromlinienförmig. Verblüffungen garantiert. Sokolov horcht, wie nur wenige seiner Zunft, tief in den Klang der Werke hinein, in ihren Aufbau, in kleine Abstufungen, Rundungen, Farben. Auch das macht vielleicht einen Teil seiner Aura aus… Christoph Vratz

26.03.2019
Dienstag 20:00

Grigory Sokolov Klavier

Ludwig van Beethoven
Sonate für Klavier Nr. 3 C-Dur op. 2,3 (1794–95)
Elf Bagatellen op. 119 (1820/22)

Johannes Brahms
Sechs Klavierstücke op. 118 (1893)
Vier Klavierstücke op. 119 (1893)

€ 45,– 45,– 30,– 30,– 30,– 30,– | Z: € 30,–

Beachten Sie auch Paket
»Tastenzauber« - 3 Konzerte

Soy de Cuba

Das kubanische Tanzmusical kommt nach Köln

Mit Mozart und Schubert beendet Countertenor Valer Sabadus seine Porträt-Reihe in der Kölner Philharmonie. Das verspricht neue Hörerfahrungen. Image 2
»Musik ist die Seele des kubanischen Volkes«, so Rembert Egues, Komponist und Erfinder des kubanisches Tanzmusical Soy de Cuba, das regelmäßig für Begeisterungsstürme beim Publikum sorgt, Schon nach den ersten Takten entfaltet sich ein unwiderstehlich karibisches Flair. Feurige Choreografien und gefühlvoller Gesang entführen direkt ins Herz der Insel: hier in Havanna können die Zuschauer erleben, wie die junge Ayala nicht nur als Tänzerin ihr Glück, sondern auch die große Liebe findet. Im perfekten Zusammenspiel mit der Live-Band wechseln die erstklassigen Tänzer mühelos zwischen den Stilen wie Mambo, Salsa und Reggaetón, Das ist Lebensfreude pur!

20.–21. April 2019
Köln, Philharmonie
Samstag 20:00, Sonntag 15:00 und 19:00

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