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»Musik ist Energieweitergabe«: Die Münchner Philharmoniker und Valery Gergiev spielen Wagner, Schostakowitsch und Rihm

Valery Gergiev

125 Jahre alt werden die Münchner Philharmoniker in diesem Jahr.1893 gegründet, können sie auf eine beachtliche Geschichte und Tradition verweisen. So dirigierte Gustav Mahler das Orchester 1901 und 1910 höchstpersönlich in den Uraufführungen seiner 4. und 8. Sinfonie. Legendär auch die Ära Sergiu Celibidaches, der das Orchester 1979 bis 1996 leitete und es zu Weltruhm brachte. Seit Herbst 2015 steht der russische Dirigent Valery Gergiev den Münchner Philharmonikern vor. Eine intensive Zusammenarbeit begann aber bereits 2001 im Zyklus-Projekt mit allen 15 Sinfonien von Dimitri Schostakowitsch.

Kein Wunder also, dass eine Sinfonie des großen russischen Komponisten auf dem Jubiläumsprogramm steht, mit dem das Orchester am 28. März auch in der Kölner Philharmonie zu hören ist: Schostakowitschs Fünfte, entstanden 1937 in Zeiten des stalinistischen Staatsterrors, als dem Komponisten das Wasser bis zum Halse stand. Viele hören in ihr eine lebensgefährliche Gratwanderung zwischen äußerem Schein und eigentlich Gemeintem. Schostakowitsch hatte gelernt, sich die Vieldeutigkeit rein instrumentaler Sprache zunutze zu machen. So kann man seine Fünfte bei aller zur Schau gestellten Tradition durchaus auch als ein kritisches Statement deuten: Lärmende Zirkusmusik entlarvt darin Fröhlichkeit als verordnet, fahle Trauertöne beklagen die Opfer des Unrechts. Und auch die Gewalt und Aufdringlichkeit im Finale, die Penetranz und Härte, mit der sich Wiederholungen ins Gehör hämmern, könnten bedeuten, dass der Komponist hier keine klassische Apotheose gemeint hat, sondern ihre Karikatur.

Für die Komponisten seiner Heimat setzt sich Valery Gergiev mit besonderem Engagement ein. Der global vielbeschäftigte Dirigent, der seit mehr als zwei Jahrzehnten auch das legendäre Mariinski-Theater in Sankt Petersburg leitet, vertritt das Motto: »Musik ist der beste Brückenbauer!« Das bezieht der ansonsten politisch nicht unumstrittene Dirigent ganz konkret auch auf die Beziehungen zwischen Ost und West. Musikalisch ist er vor allem bei jenen beliebt, die auf einen üppigen Orchestersound, pralle Tutti, knallige Farben setzen. Und das kann er: mit seiner berühmten zitternden Flatterhand und forsch zuckenden Schultern für Impulse und Opulenz sorgen. Bei den Münchner Philharmonikern ginge es ihm um eine Bündelung, sagte er einmal: »Tradition plus Klang. Und wir arbeiten viel am Klang«. Das wird wohl auch Richard Wagners Trauermarsch für Siegfried aus der »Götterdämmerung« zugutekommen, der ebenfalls im Jubiläumskonzert erklingen wird. Und ein selbst in Auftrag gegebenes Geburtstagsgeschenk haben die Münchner Philharmoniker dann auch noch mit im Gepäck: Wolfgang Rihms Orchesterstück »Transitus III«, das wenige Tage vorher in München uraufgeführt wird.

Wolfgang Rihm ist ein sehr erfolgreicher und ebenso produktiver Komponist. Sein Oeuvre umfasst bereits über 500 Werke. Fragt man den heute 66-Jährigen nach der Quelle seiner nicht versiegenden Inspiration, so pflegt er zu sagen: »Ich handle ganz nach Intuition und Lust und Laune und sehr subjektiv.« Und was ist für ihn eine gute Komposition? »Musik ist Energieweitergabe«, sagte er einmal, »erst durch ihre energetische Ladung und deren Strömen entscheidet sich die Qualität eines Musikwerkes.« Man darf gespannt sein, wie sich dieses Anliegen in der Kölner Philharmonie erfüllt. Verena Großkreutz

28.03.2019
Donnerstag 20:00

Münchner Philharmoniker
Valery Gergiev Dirigent

Richard Wagner
Trauermarsch aus: Götterdämmerung
WWV 86D (1848–74)
Oper in einem Vorspiel und drei Aufzügen.
Dritter Tag des Bühnenfestspiels
»Der Ring des Nibelungen« WWV 86 (1848-74)

Wolfgang Rihm
Transitus III (2017–18)
für Orchester

Dmitrij Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47 (1937)

Dieses Konzert wird live auf takt1.de übertragen. Zusätzlich erfolgt eine Ausstrahlung auf philharmonie.tv im Herbst 2019.

€ 112,– 97,– 82,– 57,– 34,– 25,– | Z: € 82,–

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