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Fallstricke des Erbrechts: Beim Nachlass vorsorglich handeln, um bei allen Eventualitäten abgesichert zu sein

Es ist sinnvoll, Geld in eine fachkundige anwaltliche Betreuung zu investieren, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden Bild: Africa Studio/stock.adobe.com

Die gesetzliche Erbfolge nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) kann zu vom Erblasser unerwünschten Folgen führen. Im Extremfall könnte dies sogar dazu führen, dass wesentliche Vermögensbestandteile des Nachlasses bedroht sind. Beispielsweise ein selbständiger Unternehmer, dessen Firma in wirtschaftliche Turbulenzen und Schwierigkeiten kommen könnte, wenn die Nachfolge nicht geregelt ist. Nicht immer sind (alle) Familienmitglieder geeignet, den Betrieb fortzuführen. Dies gilt umso mehr, als die Familienmitglieder in einer Erbengemeinschaft verbunden sind und sämtliche Entscheidungen gemeinsam treffen müssen. In solchen Fällen erscheint es zwingend, eine letztwillige Verfügung zu errichten, um Unheil von dem Unternehmen abzuwenden.

Nacherben bestimmen

Nicht im Sinne eines Erblassers wäre es sicherlich ebenso, wenn der aus einer geschiedenen Ehe hervorgegangene Nachwuchs, der selbst keine Kinder hat, kurz nach dem Erblasser verstirbt. Nach der gesetzlichen Erbfolge würde der geschiedene Ehepartner das Vermögen erben. In einem solchen Fall hätte es sich angeboten, dem Abkömmling nur die rechtliche Stellung als Vorerbe zukommen zu lassen und einen anderen zum Nacherben zu bestimmen.

Sonderfall bei Minderjährigen

Das gesetzliche Erbrecht kann auch bei einer Familie mit minderjährigen Kindern zu Problemen führen. Muss nach dem Tod des einen Elternteils der überlebende Ehegatte das selbstgenutzte Reihenhaus verkaufen, weil der Verkauf der Immobilie oder ein Umzug erforderlich ist, so wird für die minderjährigen Kinder ein (familienfremder) Betreuer vom Gericht bestellt, der die Zustimmung zum Verkauf des Hauses für die minderjährigen Kinder erteilen muss.

Mythos kinderlose Ehepaare

Weit verbreitet ist auch der Irrtum über die Folgen des gesetzlichen Erbrechts bei kinderlosen Ehepaaren: Bei der gesetzlichen Erbfolge wird nicht etwa der überlebende Ehegatte Alleinerbe, vielmehr treten die Erben zweiter Ordnung des Verstorbenen hinzu. Dies bedeutet, dass beispielsweise der überlebende Ehegatte mit seinen Schwiegereltern eine Erbengemeinschaft bildet. Haben die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt, sitzen die Schwiegereltern mit einem Anteil von einem Viertel zusammen mit dem überlebenden Ehegatten in einem Boot und können in allen Fragen mitbestimmen. Für den überlebenden Ehegatten dürfte dies nicht immer ein Vergnügen sein. Auf der anderen Seite schützt das gesetzliche Erbrecht den überlebenden Ehegatten nicht optimal vor allzu gierigen Kindern. Verlangt ein Kind die Auszahlung seines Erbteils, kommt der überlebende Ehegatte eventuell in die Verlegenheit, das Haus, in dem er seinen Lebensabend verbringen wollte, verkaufen zu müssen, weil er nicht über ausreichend Mittel verfügt, den Erbteil auszuzahlen.

Sich rechtzeitig kümmern

In all diesen Fällen hätten mögliche Probleme, Turbulenzen und Streitigkeiten durch ein rechtssicheres Testament vermieden werden können. Immer noch ist festzustellen, dass weite Teile der Bevölkerung es verdrängen, sich mit dem eigenen Ableben zu beschäftigen. Wenn diese bedenken, dass Nachlass- und Erbschaftstreitigkeiten nicht nur hohe Summen verschlingen, sondern auch Familien dauerhaft und nachhaltig entzweien, ist das Geld für eine fachkundige anwaltliche Beratung gut angelegt.

Christian Möbius
Rechtsanwalt
Bietmann Rechtsanwälte
Steuerberater PartmbB

Müller-Stein Rechtsanwälte
Bietmann Rechtsanwälte
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