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Ziemlich beste Brüder: Franz und Willi Göb feierten im September ihren 100. Geburtstag und sind damit wohl Deutschlands ältestes Zwillingspaar

Franz (r.) und Willi Göb sind 1919 in Köln-Weiden geboren, wo sie als Kinder im Haus der Großeltern aufwuchsen Foto: Klose

Wer Franz Göb zum ersten Mal trifft, merkt ihm sein Alter nicht an. Sein Gang ist aufrecht, seine Stimme klar. Zum Spazieren braucht er weder einen Rollator noch einen Gehstock. Seinen Gegenüber kann er ohne die Hilfe eines Hörgerätes verstehen und tiefgründige Gespräche führen, was er mit seiner 91-jährigen Lebensgefährtin in seinem Brühler Haus auch tagtäglich tut. Wie er seinen Alltag meistert, ist faszinierend. Denn Göb gehört mit seinen 100 Jahren zu den ältesten Einwohnern Brühls. Allein das ist beeindruckend. Doch er feierte seinen Geburtstag am 11. September 2019 nicht allein, sondern mit seinem 15 Minuten jüngeren Bruder Willi. Damit sind die Göbs vermutlich das älteste Zwillingspaar Deutschlands. Von der Wissenschaft bestätigt werden kann dies allerdings nicht, da keine entsprechenden Daten erhoben werden. „In England und in den USA gibt es derzeit vergleichbare Fälle. In Japan gab es außerdem vor einigen Jahren sogar mal ein Zwillingspaar, das zusammen den 107. Geburtstag erlebt hat. Aber in Deutschland ist mir kein anderes Zwillingspaar bekannt, dass zusammen den 100. Geburtstag feiern konnte“, erklärt Dr. Sebastian Grönke vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns. „Von den Menschen, die über 100 Jahre alt werden, sind nur 13 Prozent Männer. Dass es nun in Deutschland männliche Zwillinge gibt, die ein solches Datum zusammen erleben, ist eine absolute Seltenheit.“

Im Kindesalter verbrachten die beiden Jungen fast jede freie Minute miteinander Foto: privat
Im Kindesalter verbrachten die beiden Jungen fast jede freie Minute miteinander Foto: privat
Lange unzertrennlich

Wie die meisten eineiigen Zwillinge waren auch die Göb-Geschwister in ihrer Kindheit unzertrennlich. Nach ihrer Geburt wuchsen sie in Köln-Weiden im Haus ihrer Großeltern auf. „Wir haben als Kinder alles zusammen gemacht“, erinnert sich Franz Göb. „Wir hatten deshalb in diesem Sinne auch keinen besten Freund, auch wenn uns natürlich immer wieder Bekannte besuchen gekommen sind.“ Getrennt haben sich die Wege der Zwillinge erstmals während der Schulzeit, allerdings nur kurzzeitig. Später mussten sie wegen des Krieges aufeinander verzichten. Während Willy Göb in Russland eingesetzt wurde, musste Franz Göb nach Frankreich. 1944 wurden beide verwundet, Willi Göb sogar schwer. Durch die Explosion einer Handgranate verlor er seinen linken Arm.

Als Babys teilten sie sich sogar einen Kinderwagen Foto: privat
Als Babys teilten sie sich sogar einen Kinderwagen Foto: privat
Erstes Wiedersehen

Wiedergesehen haben sich die Zwillinge nach ihrer Kriegsgefangenschaft dann erst 1948. „In den Jahren danach sind wir oft miteinander verreist und haben viele ferne Länder kennengelernt“, sagt Franz Göb. „Mit der Zeit haben wir dann nicht mehr so viel zusammen unternehmen können, da mein Bruder zwei Kinder hatte und ich später auch. Solange meine Mutter noch lebte, haben wir in unserem Haus in Weiden allerdings jeden Geburtstag zusammen gefeiert.“ 1959 zog es Franz Göb schließlich nach Brühl, wo er für die Wohnungsbaugesellschaft Gebausie arbeite und mit seinen eigenen Händen ein Haus baute, in dem er bis heute lebt. Bruder Willi hingegen ist seit dem Jahr 2002 in einer Bornheimer Seniorenresidenz untergebracht.

"Wir haben als Kinder alles zusammen gemacht"

Gesunde Ernährung

Warum die Göb-Zwillinge ein solch stolzes Alter erreicht haben, kann mit Blick auf Franz Göbs Lebensstil erklärt werden. Alkohol und Zigaretten sind für ihn tabu. Höchstens zu besonderen Anlässen darf es mal ein Kölsch sein, mehr aber nicht. Zudem kocht er zusammen mit seiner Lebensgefährtin jeden Tag, wobei stets Salat, frisches Gemüse und Obst auf den Tisch kommen. Auch Fisch steht auf dem Speiseplan, Fleisch dagegen seltener. Allerdings achtet Franz Göb im Alltag nicht nur auf seine Ernährung, auch Bewegung spielt bei ihm eine Rolle. Nach dem Krieg absolvierte er regelmäßig Waldläufe, im Alter von 50 Jahren entdeckte er schließlich das alpine Skifahren für sich. Aufgegeben hat er dieses Hobby erst als 91-Jähriger, was zeigt: Franz Göb hat eine Menge Spaß am Leben, selbst im stolzen Alter von 100 Jahren noch.

ABC der Region

A wie August
Der Kölner Erzbischof Clemens August ließ im 18. Jahrhundert das Schloss Augustusburg erbauen. Im Jahr 1725 begannen die Arbeiten nach den Plänen des Architekten Johann Conrad Schlaun. Seit 1984 ist die Anlage eine UNESCO-Welterbestätte.

B wie Badorf
Abgesehen von der Innenstadt ist Badorf der Brühler Stadtteil mit den meisten Einwohnern. Etwa 6170 Menschen leben derzeit dort. Das gesamte Gebiet Brühls bietet aktuell gut 44.400 Menschen ein Zuhause. Damit ist Brühl die siebtgrößte Stadt des Rhein-Erft-Kreises.

C wie Calmund
Fußballfunktionär Reiner Calmund wurde durch seine Zeit bei Bayer 04 Leverkusen bekannt. In Frechen wuchs er auf, geboren wurde Calmund allerdings in Brühl.
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