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„Es stehen große Aufträge an“: Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, blickt zuversichtlich in die Zukunft – auch wenn auf die Betriebe einige Herausforderungen warten

Bild: contrastwerkstatt – stock.adobe.com

Herr Otto, wie stellt sich die Entwicklung des Handwerks in Oberberg dar? 

MARCUS OTTO: Ich unterscheide gerne zwischen den zwei Schwerpunktthemen: Die wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbildungsmarkt im Oberbergischen. Mit einem Blick aufs vergangene Jahr lässt sich festhalten, dass wir in der Region eine Steigerung des Umsatzes von sechs Prozent haben. Das ist sehr stark. Wenn nun keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, gehen wir davon aus, dass diese Nachfrage nach handwerklichen Leistungen auch für die nächsten Jahre so weitergehen wird. Zumal auch große Investitionen öffentlicher Träger anstehen: beispielsweise Sanierungen von Schulen, Straßen oder Kanälen unter der Erde. Aber auch im privaten Bereich wird investiert, solange Geld leihen so günstig ist. Soweit erst einmal der große Bereich Baugewerke.

"Die Firmen in der Region konnten ihren Umsatz 2018 um sechs Prozent steigern. Das ist sehr stark."

Sie sprachen das Thema Ausbildungen an – in welche Richtung entwickelt sich die Branche in der Region?

OTTO: Ganz aktuell sind wir sehr gut ins neue Ausbildungsjahr 2019 gestartet. Die Zahlen über die bereits abgeschlossenen Verträge sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, lesen sich demnach sehr gut und lassen auf den Sommer hoffen. Denn eines dürfen wir hier nicht vergessen: Das Ausbildungsjahr beginnt für die meisten jungen Menschen am 1. August oder 1. September, so dass wir noch etwas Zeit haben. Außerdem werden die Lehrverträge im Handwerk traditionell sehr spät geschlossen. Demnach könnte sich das Jahr positiv entwickeln.

Bild: Kreishandwerkerschaft Bergisches Land
Bild: Kreishandwerkerschaft Bergisches Land
Wie verhält es sich denn in den anderen Bereichen – etwa bei Bäckern, Fleischern oder beispielsweise im Kfz-Gewerbe?

OTTO: Bei den Nahrungsmittelbetrieben sehen wir den Trend, dass wir größere Einheiten bekommen werden, sprich mehrere Filialen unter einer Geschäftsführung. Jedoch ist das keine Entwicklung hin zu unpersönlichen Ketten. Das ist das äußerst Positive im Oberbergischen Kreis. Die großen Innungsbäcker stehen für Individualität, Genuss und Abwechslung. Bewusstere Lebensmittel handwerklich hergestellt, das fordert der Kunde sowohl bei den Bäckern als auch bei den Fleischern. Der Bereich Kraftfahrzeug ist sehr schwer zu fassen. Die Autoverkäufe laufen eigentlich gut. Und auch die Auslastung bei den heimischen Werkstätten ist positiv. Aber die Industrie baut Arbeitsplätze ab. Dies und die Zukunft des Verbrenners machen die Zukunft noch schwerer kalkulierbar.

Wo wir gerade bei dem Thema Automobile sind: Wie wirken sich drohende Diesel-Fahrverbote wirtschaftlich auf das Handwerk aus?

OTTO: Das belastet natürlich immens. Die meisten Handwerker fahren Dieselautos und neue Fahrzeuge werden für einen gesamten Betrieb nicht mal eben gekauft. Das ist ja eine richtig große Investition, die getätigt werden muss. Bei manchen Betrieben sind die aktuellen Fahrzeuge noch recht jung, so dass eigentlich keine Notwendigkeit für einen Austausch besteht. Dieser Skandal wird von denen ausgebadet, die ihn nicht verschuldet haben: von den privaten und beruflichen Dieselfahrern. Das kann nicht sein. Daher fordern wir nach wie vor die Möglichkeit der Umrüstung. Die Kosten hierfür müssen jedoch vom Hersteller getragen werden. Aber ganz ehrlich: Momentan glaube ich nicht, dass Fahrverbote zum aktuellen Zeitpunkt umgesetzt werden. Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Das Handwerk hat derzeit große Herausforderungen zu meistern und dank der teils guten Auftragslage sieht es insgesamt wirtschaftlich sehr erfreulich im Oberbergischen Kreis aus.

Arbeitslosigkeit im Kreis weiter rückläufig

Im März ist die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach leicht gesunken – Aktuell gibt es rund 5.400 freie Stellen

Bild: Alexander Raths – stock.adobe.com
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Im März meldeten sich im Bezirk der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach 4.262 Personen arbeitslos. Dies ist ein Minus von 197 Personen oder zwölf Prozent im Vergleich zum Vormonat und ein Minus von 144 Personen oder 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich mit 5.400 offenen Stellen weiter auf einem hohen Niveau. Die Arbeitslosenzahl insgesamt betrug 20.766 Personen. Dies sind 384 oder 1,8 Prozent weniger als im Februar und 1.075 oder 4,9 Prozent weniger als im März 2018.

Junge Fachkräfte profitieren

„Die Kurve der Arbeitslosigkeit zeigt weiter nach unten. Alle Personengruppen konnten von dieser Entwicklung profitieren, vor allem aber die jüngeren Arbeitslosen. Hier zeigt sich, dass der Markt weiterhin Fachkräfte sucht und die jungen gut ausgebildeten Ex-Azubis schnell aufnimmt“, sagt Marcus Weichert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach. „Weiterbildung und Qualifizierung ist und bleibt der Schlüssel, um die Veränderungen am Arbeitsmarkt positiv mitzugestalten und die Chancen, die diese Veränderungen bieten, zu nutzen.“ Bei der Qualifizierung von Mitarbeitern ist die Arbeitsagentur auch Partner aller Arbeitsgeber. „Da kommen auch mal bis zu 60.000 Euro Förderung für den Betrieb pro Mitarbeiter zustande, die wir übernehmen.“

4,6 Prozent ohne Job

Auch der Oberbergische Kreis weist für den März eine positive Entwicklung auf. Bei 1.344 Arbeitslosmeldungen und 1.529 Abmeldungen sank die Zahl der Arbeitslosen im Kreis um 186 oder 2,6 Prozent auf 6.879. Das sind 253 oder 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. 492 Personen mussten sich nach dem Verlust der Erwerbstätigkeit arbeitslos melden; das sind 119 Personen oder 19,5 Prozent weniger als im Februar und 137 Personen (-21,8 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 4,6 Prozent, nach 4,7 Prozent im Vormonat und 4,8 Prozent im Vorjahr.

Neue Mitarbeiter gesucht

Die Arbeitgeber meldeten der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter im März 670 Stellen. Damit gibt es aktuell 2.709 freie Plätze (+45 oder +1,7 Prozent zum Vormonat). Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 165 oder 6,5 Prozent mehr. Gesucht werden vor allem Fachkräfte im Handel, dem verarbeitenden Gewerbe, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Zeitarbeit.

KURZ & KOMPAKT

Tipps für Unternehmer

„Marketing für den Mittelstand – pragmatisch, aber effizient“ ist der Titel eines Seminars, das sich an Inhaber, Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen und Verantwortliche für das Marketing richtet. Anhand von Alltagsbeispielen schaffen die Referenten Prof. Dr. Frank Wallau (Fachhochschule der Wirtschaft) und Marco Però (Geschäftsführender Gesellschafter Honeycator) ein Bewusstsein für verschiedene Zielgruppen, Produktleistungen und die Macht der Marke, und zeigen wie kundenorientiertes Marketing und seine Instrumente bestmöglich zur Entfaltung kommen. Die Veranstaltung findet statt am 4. Juni von 9 bis 13 Uhr im Sitzungssaal der Kreishandwerkerschaft, Altenberger-Dom-Str. 200 in Bergisch Gladbach. Mitglieder zahlen 145 Euro, Nichtmitglieder 175 Euro. Weitere Informationen und Anmeldung unter anmeldung@handwerk-direkt.de.

Infoabend für Eltern

Was macht das Handwerk wirklich? Und welche Zukunftsaussichten können sich ergeben? Diese und weitere Fragen stellen sich auch Eltern angehender Fachkräfte. Sie sind oftmals für ihre Kinder wichtige Ansprechpartner, wenn es um den zukünftigen Beruf geht. Die Bundesagentur für Arbeit Bergisch Gladbach lädt alle Eltern in diesem Jahr zu mehreren Infoabenden ein. In der Reihe geht es darum, Eltern zu begleiten, damit sie ihre Kinder bei der Berufswahl unterstützen können. Insgesamt finden fünf Veranstaltungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten statt. Der nächste Termin ist am 9. Mai ab 18 Uhr im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, Bensberger Str. 85, 51465 Bergisch Gladbach. Eine Anmeldung ist erforderlich bis zum 27. April an Frau Franssen: bergischgladbach.elternabend@arbeitsagentur.de.

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