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Imposante Heiligenfiguren aus Venray Bild: Raimond Spekking /CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Lebensnah und aktionsreich Charaktervolle Köpfe und turbulente Gesten kennzeichnen die Meisterschaft des Bilderschneiders Arnt – Ein Rundgang

6.08.2020

Ein Bischofskopf steht im ersten Raum der Ausstellung, und schon dieser eher kleine Kopf weist auf die Qualitäten des Meisters Arnt hin: Lebensnah, ein wenig nachdenklich und skeptisch schaut er drein. Seine Kopfbedeckung, die Mitra, schimmert in einem wunderbaren Rot wie zu Zeiten, als der Maler, der mit Meister Arnt zusammenarbeitete, seinen Pinsel anlegte: Über einer Metallfolie trug er die Farbe auf, die so ihren besonderen Glanz er- und behielt.

Szene voller Dynamik. Gleich danach im zweiten Raum wartet das erste Highlight: „Wieder zusammengeführt“ ist das Dreikönigenrelief. Seit 1993 ist es in der Schnütgen-Sammlung und erst 2019 erwarb das Museum Fragmente, die zum Relief dazu gehören; über Restaurierung und Zusammenführung informiert ein Video. Es lohnt der Blick auf Details dieser lebhaft en Arbeit: Alle sind in Bewegung und drängen gestenreich zum Christkind, die Könige, ihre Diener, die Reiter am oberen Rand. Das beherrschte Arnt: Eine Szene voller Dynamik darzustellen, wie eine Momentaufnahme aus einem aktionsreichen Film.

Herausragende Form. In ihrer klugen Dramaturgie präsentiert die Ausstellung die Qualitäten dieses lange übersehenen Meisters aus dem 15. Jahrhundert, aufgeteilt durch dünne Stellwände in ein knappes Dutzend einzelner Räume und Themen. „Mitfühlen“ zeigt die Emotionalität der Figuren, „Künste im Dialog“ informiert über die Bedeutung der grafischen Werke für Arnt, „Marienbilder“ und „Heilige aller Arten“ führen an Beispielen vor, wie Arnt den häufig dargestellten Motiven eine ungewöhnliche und herausragende Form gab: fast lebendig wirkende Holzskulpturen voller Anmut und Beseeltheit.


Die Tischrunde erscheint so lebhaft, dass man sie fast sprechen hört


Dramatische Legende. Das alles führt hin zu einem Hauptwerk im Zentrum der Ausstellung: Fünf Meter breit und fast vier Meter hoch steht der Georgsaltar da. Ihn aus Kalkar nach Köln zu bringen, war ein logistischer Kraft akt, der sich gelohnt hat. Arnt hat die Legende des mutigen Ritters und Drachenbekämpfers in zehn Einzelszenen geschildert, jede für sich dramatisch und mit vielen Figuren angereichert. Georg ist der „Superheld“, so der Titel des Raumes, und Arnt ist der Meister, der Triumph und Rettung, Verfolgung und Tod in Holz schneidet.

Große Werkstatt. Es folgen große Heiligenfiguren aus Venray, Engel aus Xanten, der liegende „Christus im Grab“ mit seinem dramatischen Realismus – all das herausragende Beispiele für die Arbeiten aus der Werkstatt Meister Arnts, der vor allem am Niederrhein bis in die Niederlande hinein viele Kirchengemeinden belieferte. 60 Werke des 1491 gestorbenen Künstlers zeigt das Museum Schnütgen.
  

Riesiges Video. Im letzten Saal öffnet sich der Blick in die Nicolaikirche in Kalkar, für die Arnt mehrfach arbeitete: Eine riesige Videoinstallation über sieben Meter Breite führt die Museumsbesucherinnen und -besucher in den Kirchenraum und zum Hochaltar, seinem letzten Auftrag, den er nicht mehr vollenden konnte. Vor seinem Tod schuf Arnt noch eigenhändig einen Teil des Sockels für den Altar, die Fußwaschung Petri, die nun in Köln zu sehen ist. Vor seinen verblüfft en Jüngern geht Christus auf die Knie vor Petrus, der die Fußwaschung ablehnen will. Man meint sie fast sprechen zu hören, so lebendig gestikuliert die Tischrunde - ein letzter Höhepunkt in der Kunst des Bilderschneiders Arnt.


Monster und Drachen

Detail von Johannes der Evangelist, Privatbesitz, Bild: Kim Mildebrath
Detail von Johannes der Evangelist, Privatbesitz, Bild: Kim Mildebrath

1. Die Schlange im Kelch symbolisiert das Gift, das dem Evangelisten Johannes gereicht wurde