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Warum sich ein Ehrenamt im Ruhestand lohnt, das verrät Sabrina Odijk, Abteilungsleiterin Soziales Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst, im Interview Image 1
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Ein ehrenamtliches Engagement kann die Generationen verbinden. Bild: benjamin nolte/dpa-mag

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Gutes tun tut gut – anderen und für sich selbst Warum sich ein Ehrenamt im Ruhestand lohnt, das verrät Sabrina Odijk, Abteilungsleiterin Soziales Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst, im Interview

25.07.2022

Geflüchteten Deutsch beibringen, Plakate für den Klimaschutz malen, Einkäufe für die Nachbarin erledigen: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Gutes zu tun – auch im Alter. Ein Ehrenamt tut aber nicht nur anderen gut, sondern kann zudem das eigene Wohlbefinden steigern. Sabrina Odijk, Abteilungsleiterin Soziales Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst, verrät im Interview warum.

Warum tut es so gut, sich im Ruhestand zu engagieren?

Sabrina Odijk: Da gibt es mehrere Gründe. Einer ist, dass oft die Tagesstruktur verloren geht, wenn man aus dem Arbeitsleben ausscheidet. Ein soziales Engagement hilft dann dabei, den Tag besser zu strukturieren. Außerdem tut es gut, mit anderen in Kontakt zu kommen, neue Bekanntschaften zu schließen, seine Erfahrungen weiterzugeben – auch an andere Generationen. Und natürlich ermöglicht ein Engagement Weiterbildung und persönliche Weiterentwicklung. Viele sagen uns: „Ich habe mein ganzes Berufsleben lang in der Verwaltung gearbeitet – da ist das Soziale zu kurz gekommen. Jetzt habe ich Zeit und kann etwas ganz anderes machen.“ Es ist damit auch ein Stück Selbstverwirklichung.

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Wenn man die Motivation gefunden hat, fehlt nur noch das passende Ehrenamt. Wie finden Interessierte ein solches?

Odijk: Ich kann empfehlen, sich an seine Kommune oder Stadt zu wenden. Dort gibt es oft Freiwilligenagenturen oder Seniorenbüros, die in dieser Frage beraten. Aber es ist natürlich besser, wenn man sich vorher schon ein paar Gedanken macht. Da ist es gut, sich mit den eigenen Hobbys, den eigenen Interessen, aber auch mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen auseinanderzusetzen.

Sabrina Odijk ist Abteilungsleiterin Soziales Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst in Köln. Bild: malteser/dpa-mag
Sabrina Odijk ist Abteilungsleiterin Soziales Ehrenamt beim Malteser Hilfsdienst in Köln. Bild: malteser/dpa-mag

Wie viel Nähe möchte ich zulassen? Belasten mich andere Schicksale?

Odijk: Diese Grenzen sollte man berücksichtigen. Man muss nicht alles können. Es gibt so vielfältige Ehrenämter –da ist für jeden etwas dabei. Wenn ich zum Beispiel gerne spazieren gehe, kann es sinnvoll sein, sich einer Spaziergruppe anzuschließen. Wenn ich kulturell interessiert bin, dann kann ich bei einem Kulturbegleitungsangebot unterstützen. Dort werden Senioren, die sich alleine nicht mehr so sicher fühlen, von Ehrenamtlichen begleitet.

Warum ist es so wichtig, dass sich ältere Menschen engagieren?

Odijk: Ältere Menschen haben Zeit – und sie haben die Ruhe, sich auf etwas einzulassen. Und dann ist da noch die Lebenserfahrung, die sie mitbringen. Sie lassen sich weniger verrückt machen von Kleinigkeiten, die schiefgehen. Aber die Lebenserfahrung kommt auch durch all das, was ältere Menschen erlebt haben – Krankheiten, Schicksalsschläge, Erfahrungen. Sie blicken auf ihr Leben zurück und können ihr Wissen übertragen, wenn es darum geht, andere Menschen zu begleiten. Großartig ist, wenn ältere Menschen im Ehrenamt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ihnen etwa Handarbeiten oder Kochen beibringen. Oder auch einfach der Austausch: Welche Musik haben wir früher gehört? Wenn so etwas an die nächste Generation weitergegeben wird, ist das toll. (mit dpa)