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Mehr Nachhaltigkeit – auch im Finanzsektor Gesellschaft und Politik fordern Veränderungen, die Banken gehen mit – Diese Möglichkeiten bieten sich dadurch für Verbraucher beim Investment

15.07.2020

Mehr und mehr Menschen ernähren sich vegan oder vegetarisch, verzichten bei ihren Reisen auf das Flugzeug oder kaufen nur noch fair produzierte Kleidung ein. Diese Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit macht auch vor dem Finanzmarkt nicht halt. So hat etwa die Europäische Kommission 2018 den „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ auf den Weg gebracht. Finanzdienstleister und Vermögensverwalter sollen ESG-Kriterien in ihren Entscheidungs- und Beratungsprozessen berücksichtigen und transparent offenlegen. ESG steht dabei für Environment Social Governance, also Umwelt und gesellschaftliche Unternehmensführung. Ging bis dato das massive Wachstum im Bereich ESG-Investing vorrangig von institutionellen Investoren aus, sollen in Zukunft auch Privatkunden dazu beitragen.

16 Häuser haben unterschrieben

Bild: christian/stock.adobe.com
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Doch nicht nur die Politik setzt auf Nachhaltigkeit. So haben 16 Banken Ende Juni eine Selbstverpflichtung unterschrieben. Sie versprechen darin, ihre Geschäftstätigkeit stärker an den Pariser Klimazielen auszurichten, also dazu beizutragen, die menschen gemachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen und das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Konkret heißt das: Die Emissionen, die mit der Kreditvergabe und den Eigenanlagen der Institute verbunden sind, sollen gemessen und veröffentlicht werden. Das Fonds- und Mandatsgeschäft der Geldhäuser ist davon allerdings zunächst ausgenommen. Unter den Unterzeichnern befinden sich eine Reihe von traditionell nachhaltig und ethisch orientieren Banken wie die Triodos Bank oder die GLS Bank. „Klassische“ Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank sind ebenfalls mit dabei. Ob die Institute damit wirklich nachhaltiger wirtschaften, bleibt abzuwarten.

Der „Best-in-Class“-Ansatz

Wer heute als Verbraucher nachhaltig investieren möchte, sollte sich zunächst zwei Fragen stellen: Was möchte ich mit meinem Geld erreichen und was möchte ich verhindern? Denn es gibt verschiedene Ansätze, um auf Nachhaltigkeit bei seinen Investments zu achten. So gibt es etwa Fonds, bei denen Branchen wie die Rüstungs- oder Ölindustrie ausgeschlossen sind. Doch auch in unverdächtigen Branchen gibt es Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften. Beim „Best-in-Class“- Ansatz werden daher nicht ganze Branchen ausgeschlossen, sondern aus jeder Branche die nachhaltigsten Unternehmen als Investmentziele gewählt. Der Nachteil: Das Geld des Verbrauchers kann in Firmen landen, deren Branche er per se nicht unterstützen möchte, zum Beispiel die Autoindustrie. Andererseits können Unternehmen berücksichtigt werden, die sich in „schlechten“ Branchen besonders hervortun und dafür sorgen, die Situation zu verbessern. Bei der Autoindustrie könnte das zum Beispiel ein Investment in Tesla sein.


"Bei manchen Fonds sind bestimmte Branchen komplett ausgeschlossen"


Impact-Investing nutzen

Eine weitere Möglichkeit, sein Geld nachhaltig anzulegen, ist das Impact-Investing. Neben einer finanziellen Rendite sollen dabei soziale, ethische oder gesellschaftliche Renditen erreicht werden. Konkrete Ziele werden festgelegt und gemessen. Zudem wird darüber regelmäßig berichtet. Außerdem können Interessierte in Klimaschutzfonds investieren. Darin befinden sich Unternehmen, die umweltschonend arbeiten, etwa durch einen geringen CO2-Ausstoß. Doch auch dabei sollten Verbraucher die Augen offen halten. Schließlich gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, was umweltfreundlich bedeutet. So gilt in Frankreich die Atomenergie als sauber, während eine solche Beurteilung in Deutschland undenkbar wäre.


Kurz & kompakt

Ein Begriff, viele Auslegungen

Bislang gibt es keine feste Definition, was Nachhaltigkeit genau bedeutet. Der Begriff geht auf Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) aus dem Erzgebirge zurück. In seiner Veröffentlichtung zur Forstwirtschaft spricht Carlowitz davon, dass nur so viel abgeholzt werden sollte, wie sich binnen gewisser Zeit auf natürliche Weise regenerieren konnte. Ähnlich steht es im Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen von 1987: „Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Eine im Wirtschaftskontext mittlerweile geläufigere Definition lautet: Nachhaltigkeit bedeutet, nicht Gewinne zu erwirtschaften, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften.

Rating-Agenturen hinterfragen

Rating-Agenturen brechen die Komplexität von Nachhaltigkeit auf verschiedenen Dimensionen so weit herunter, dass es für Außenstehende verständlich wird, und fungieren gleichzeitig als neutrale Instanz, die Unternehmen bewertet. Dafür verwenden sie diverse Quellen, etwa Geschäftsberichte, Unternehmensveröffentlichungen, redaktionelle Publikationen oder Fragebögen. Weil Nachhaltigkeit jedoch subjektiv ist, weichen die Ergebnisse der Institute stark voneinander ab. Anleger sollten daher genau hinsehen, ob die Ergebnisse der Agentur mit ihrem Empfinden übereinstimmt.