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Die Teilnehmer des „Runden Tisches Privatbanken“ und ihre Gastgeber vom Medienhaus DuMont Rheinland Bild: Thomas Banneyer

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Mit der Zukunft handeln Im Februar hatte der Dax einen neuen Rekordwert markiert: 13.789 Punkte standen auf der Anzeigentafel. Vier Wochen später waren es noch 8.441.

15.07.2020

Eine ähnliche Bewegung gab es wegen der Corona-Pandemie an den Aktienmärkten rund um den Globus. Das sorgte für Gesprächsstoff beim „Runden Tisch Privatbanken“ – diesmal mit Abstand 

Privatbanken blicken nicht selten auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurück. Sie haben also Weltkriege, Währungsschnitte und auch die Spanische Grippe nach dem Ersten Weltkrieg erlebt. Die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Turbulenzen stellen aber auch sie vor besondere Herausforderungen, wie die Teilnehmer des Runden Tischs versicherten. „Die Corona-Krise konnte niemand vorhersagen“, unterstrich Martina Patzek, Niederlassungsleiterin Köln der Quirin Privatbank.

Mehr Beratung

Irritiert haben die Pandemie und den zunächst erfolgten Kurssturz natürlich auch die Kunden der Institute, die einigen Beratungsbedarf angemeldet haben. „Wir haben in der Corona-Krise die Beratungsintensität noch einmal ausgebaut und sehr häufig mit den Kunden gesprochen“, sagte etwa Hanspeter Sauter, Generalbevollmächtigter der Bank Julius Bär Deutschland. Ähnlich war das bei den anderen Privatbanken. „In der Corona-Krise gab es eine enge Kommunikation mit den Kunden, sowohl in Einzelgesprächen als auch in Telefonkonferenzen und Webinaren“, berichtete Di Martino, Leiter Private Banking am Standort Köln bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers.

Zusätzliche Verschuldung

Bild: Thomas Banneyer
Bild: Thomas Banneyer

Freilich war nicht nur der Kurseinbruch scharf. „Auch die Erholung ist eine historische Ausnahme“, so Daniel Wendig, Leiter der Geschäftsstelle Köln von M.M. Warburg & CO. Es gab extreme Maßnahmen von Staaten und Notenbanken, etwa in der Fiskalpolitik, sowie eine expansive Geldpolitik. „Wir können froh sein, dass die Gelder mehrheitlich in die richtige Richtung geflossen sind“, sagte Wendig. Die entscheidende Frage werde sein, wie zukünftig sowohl diese zusätzliche Verschuldung als auch die aufgeblähte Geldmenge wieder zurückgeführt werden.

Steigende Kurse

Die Wertpapiermärkte haben die Stützungsmaßnahmen jedenfalls gefeiert. Im Juni hat der Dax sogar zeitweise wieder Kurs auf die Marke 13.000 Punkte genommen. Zwar ächzen viele Unternehmen aktuell unter den Verwerfungen, die das Virus ausgelöst hat. Doch an den Aktienmärkten wird die Zukunft gehandelt. „Es bleibt die Frage, ob die gestiegenen Kurse durch steigende Unternehmensgewinne gerechtfertigt sind“, warf Wendig ein. Tatsache sei, dass es auf Basis der aktuellen Gewinne im Verhältnis zu den Kursen etwa im deutschen Aktienmarkt eine sehr hohe Bewertung gibt.

Auf Überraschungen gefasst

„Nach unserer Einschätzung dürfte die konjunkturelle Talsohle inzwischen durchschritten sein“, sagte Di Martino. Als Voraussetzung nennt er, dass eine zweite Infektionswelle ausbleibt. Viele Frühindikatoren wie der deutsche Ifo-Index deuteten bereits auf eine Besserung hin. „Eine mehr oder minder kräftige wirtschaftliche Erholung ist in den kommenden Monaten also möglich und angelegt“, so Di Martino. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität sei da. Der Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh zeige aber deutlich, dass die Virusgefahr allgegenwärtig sei. „Wir sollten auch im Sommer auf Überraschungen an den Märkten gefasst sein“, mahnte Frank Hoppe, Leiter des Standorts Köln von Merck Fink Privatbankiers. Die Märkte hätten eine sehr positive Unternehmensentwicklung unterstellt. Bei der Vorlage der Ergebnisse der Unternehmen für das zweite Quartal werde es auf den Ausblick der Firmen ankommen. „Wir erwarten eher eine Börsenentwicklung mit Schwankungen“, sagte Hoppe.


"Die konjunkturelle Talsohle dürfte nach unserer Einschätzung durchschritten sein"


Schwierige Prognose

Patzek von der Quirin Privatbank weist auf einen schwächeren Arbeitsmarkt und eine gesunkene Anschaffungsneigung. „Es wird eine Marktbereinigung stattfinden“, äußerte sie. Prognosen über die Zukunft sind immer schwierig. Diesmal ist die weitere Entwicklung für Hanspeter Sauter aber besonders schwer abzuschätzen. „Wir erleben derzeit die erste Dienstleistungsrezession überhaupt, mit scharfen Einbrüchen etwa im Tourismus oder in der Gastronomie“, sagte er zur Begründung. Klar sei aber, dass Anleger nicht gegen diese Welle an Liquidität agieren könnten.

Ganzheitliche Beratung

Trotz Abstandsregeln herrschte unter den Teilnehmern eine lockere Atmosphäre Bild: Thomas Banneyer
Trotz Abstandsregeln herrschte unter den Teilnehmern eine lockere Atmosphäre Bild: Thomas Banneyer

Doch wie sollen sie agieren? Da bieten die Privatbanken individuelle Lösungen. Ihre Kunden sind vor allem vermögende Familien, die oft Unternehmen oder Anteile daran besitzen. Das wirft in der Beratung vielfältige und komplexe Fragen auf. „Wir führen intensive persönliche Gespräche“, berichtete Sauter von Julius Bär. Es gehe dabei auch um die Unternehmen der Kunden, um deren Liquidität, die Nachfolge oder Testamente. „Uns geht es um die ganzheitliche Betreuung unserer Kunden“, so Sauter. Und zu Beratungsgesprächen bei einer Privatbank wird nicht selten ein Steuerberater hinzugezogen. Bei komplexen Vermögen sehen sich die Privatbanken in einer eigenen Liga. „Unsere Wettbewerber sind die anderen Privatbanken“, erklärte Thomas Selle, Stellvertretender Leiter der Oddo BHF Niederlassung Köln. Ganzheitlich zu beraten, das nehmen alle Privatbanken für sich in Anspruch. „Und dabei begleitet ein Berater einen Kunden oft zehn Jahre oder mehr“, betonte Patzek. Auf diese Kontinuität setzen alle Privatbanken. „Die Fluktuation bei unseren Beratern ist extrem niedrig“, stimmte Hoppe zu. Ein Berater einer Privatbank nimmt sich Zeit für die Gespräche. Deshalb kümmert er sich nur um eine zweistellige Zahl an Kunden. „Vor allem ist es wichtig, den Kunden zu verstehen. Und der Kunde braucht einen Berater, der zu ihm passt“, sagte Sauter.

Umfangreicher Service

„Im Feld der Vermögensverwaltung fühlen wir uns wie ein Facharzt“, erklärte Di Martino. Und weiter: „Wir werden aufgesucht, wenn es um komplexe Fragestellungen rund um die Vermögensanlage geht, bei denen der ‚Allgemeinmediziner‘ nicht mehr helfen kann.“ Das umfangreiche Dienstleistungsangebot lohne sich nur für vermögende Kunden. Eine Einstiegsgrenze von vier Millionen Euro für umfassende Beratungsdienstleistungen hat HSBC zuvor etwa genannt. Andere haben geringere Einstiegsgrenzen. So um eine Million sollte es aber wohl schon sein, hört man, wobei die Grenzen fließend sind. „Wir bieten eine Vermögensverwaltung ab einem Anlagevolumen von 200.000 Euro“, sagte Patzek. „Umfangreicher Service und umfangreiche Dokumentation verursachen Kosten“, ergänzte Selle. Diese Dokumentation kostet schon viel Zeit. „Die Nachbereitung eines umfangreichen Beratungsgesprächs dauert eine bis eineinhalb Stunden. Und die Verpflichtung zur Aufzeichnung beginnt früh“, bestätigte Karsten Tripp von HSBC. „Im Zweifel muss ich dokumentieren, mit welchem Argument ich einem Kunden eine Siemens-Aktie empfohlen habe, das für einen anderen Kunden nicht zutrifft.“ Als branchenüblich für Privatbanken gilt eine Provision von etwa einem Prozent des Anlagebetrags pro Jahr für eine umfangreiche Vermögensverwaltung. Da sind dann freilich Kosten für das Handeln von Wertpapieren eingeschlossen. Aber auch in der Branche gibt es scharfen Wettbewerb.  

Krisenfeste Portfolios

Welche Anlagemöglichkeiten empfehlen die Privatbanken ihren Kunden? Die werden natürlich individuell in Gesprächen entwickelt. Es geht etwa um Vermögenserhalt, Risikobereitschaft und Risikostreuung. Aktien sind aber eine wichtige Anlageklasse in den Depots. Da boten sich nach dem Kursrutsch im März Kaufgelegenheiten. Einfach zugreifen ist aber kein Erfolgsrezept. „Auf dem Höhepunkt der Börsenturbulenzen hat der Ausverkauf alle Aktien erfasst, in der Erholung differenziert der Markt und blickt auf die Geschäftsmodelle der einzelnen Unternehmen“, sagte Selle. Auf Schnäppchenjagd gingen die Privatbanken nach einem Kursrutsch nicht, wie nicht nur Patzek und Wendig unterstrichen. „Oddo BHF setzt auf aktives benchmarkfreies Management und beschäftigt sich intensiv mit den Unternehmen, in die unser Haus investiert“, betonte Selle. Angestrebt würden krisenfeste Portfolios, damit die Kunden sich auch in schwierigen Börsenphasen auf die Qualität ihrer Depotwerte verlassen könnten.


"In der Gesundheitsbranche schiebt die Digitalisierung die Entwicklung weiter an"


In stilvollem Ambiente unterhielten sich die Privatbankiers Bild: Thomas Banneyer
In stilvollem Ambiente unterhielten sich die Privatbankiers Bild: Thomas Banneyer

IT gefragt

Gut gelaufen sind laut Hoppe und Sauter Titel aus den Branchen IT oder Gesundheit. Das liege daran, dass ihre Geschäftsmodelle jetzt und in der Zukunft überzeugend seien, so Hoppe. Hier gebe es Wachstumsperspektiven. Die Gesundheitsbranche sollte etwa davon profitieren, dass die Bevölkerung immer älter wird und nicht unbedingt, weil ein Corona-Impfstoff gefunden werden könnte. „In der Gesundheitsbranche schiebt etwa die Digitalisierung die Entwicklung weiter an. Viele der Firmen, die davon profitieren, sitzen in den USA, Skandinavien oder in Asien“, so Sauter. In der IT gehe es um Sicherheit wie auch in der Weltpolitik, sagte er weiter. Hier würden Waffenproduzenten profitieren. „Außerdem bleiben Energiewende und Klimaschutz ein Thema. In diesen Branchen erwarten wir die Gewinner der Zukunft“, erklärte Sauter. „Qualität zu einem vertretbaren Preis“, lautet das Anlagecredo von Hauck & Aufhäuser. „Wir nehmen bei der Aktienauswahl die Bilanz der Unternehmen unter die Lupe und achten etwa auf eine geringe Verschuldung“, äußerte Di Martino. Zwar hätten auch Substanzwerte in der Börsenschwäche gelitten, sie hätten sich aber schnell wieder erholt. Im Ergebnis führe das zu Investmentschwerpunkten im Technologiebereich, im Gesundheits- und Pharmasektor oder bei global agierenden Unternehmen aus dem Konsumsektor.

Internationale Analyse

Aber auch bei ähnlichen Zielen und Analysemethoden kann es noch unterschiedliche Ergebnisse geben. „Viele unserer Analysten sitzen in Hongkong“, sagte Karsten Tripp, Chief Investment Officer bei HSBC Private Banking in Deutschland. Sie hätten andere Aktien im Blick als die, die hier sitzen. Hier sage mancher Kunde, er kaufe keine Aktien von Firmen, deren Namen er nicht aussprechen könne.  


"Wir hätten Kunden gebremst, die nach Wirecard gefragt hätten"


Aufsicht nicht aufmerksam genug

Die Privatbanken setzen also weniger auf Branchen als vielmehr auf einzelne von ihnen ermittelte Qualitätsaktien. Der jetzt insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hat ihre Kriterien nicht erfüllt. Wenn Kunden gezielt nach einzelnen Werten fragen, beraten wir sie, so etwa Patzek: „Wir hätten Kunden gebremst, die nach Wirecard gefragt hätten.“ Das haben die Kunden aber weder bei der Quirin Privatbank, noch bei den anderen Teilnehmern am Runden Tisch getan, wie sie betonen. Mit Blick auf die Bankenaufsicht könne der Vorwurf entstehen, bei Wirecard nicht aufmerksam genug gewesen zu sein, gab Selle zu Bedenken. „Als erstmalig über Unregelmäßigkeiten berichtet wurde, wäre es Zeit gewesen, um genauer hinzusehen und kritische Fragen zu stellen“, so Selle.

Unterschiedliche Ansichten zu ETFs

Die Bänker blicken optimistisch in die Zukunft Bild: Thomas Banneyer
Die Bänker blicken optimistisch in die Zukunft Bild: Thomas Banneyer

Die Privatbanken setzen auch auf eine breite Streuung in den Portfolien. Die ließe sich ebenfalls durch die Anlage in einen Exchange Traded Fund (ETF) erreichen. Das sind börsengehandelte Indexfonds, die nicht aktiv gemanagt werden und so kostengünstig sind. Sie bilden vielmehr die Wertentwicklung eines Börsenindex ab. Beim MSCI World sind das 1.600 Aktien. Wer sein Investment aufgeteilt und 50 Prozent in einen ETF investiert hat, der den MSCI World, und 50 Prozent in einen ETF, der die weltweiten Anleihenmärkte abbildet, hat auf Sicht der letzten zehn Jahre gute Anlagergebnisse erzielt. „Langfristig schneiden ETFs auf einen Aktienindex oft besser ab als gemanagte Portfolios“, bestätigte Patzek. Sie brach eine Lanze für diese Anlageinstrumente. Die seien für langfristig angelegte Portfolios geeignet. Der MSCI decke aber nicht die weltweiten Aktienmärkte ab, sondern sei stark auf die USA ausgerichtet. Ergänzt werden müsse das Portfolio um ETFs mit Schwellenländeraktien oder auch deutschen Aktien. Die anderen Teilnehmer waren skeptischer. Breit zu investieren etwa gemäß des MSCI World sei zunächst nicht falsch, betonte Hoppe. Es sei auch nicht leicht diesen Index zu schlagen. „Es gilt aber die Risikobereitschaft und die Anlagenziele des Kunden genau zu erfasse und darauf abzustimmen“, so Hoppe.

Europäische Werte

Weiter ging Karsten Tripp: „Ein passives Standardportfolio ist für den Großteil der Kunden falsch“, sagte er. Zwei Drittel der Aktien im MSCI World seien US-Papier, gab Wendig zu bedenken. „Das wollen Anleger in Deutschland manchmal auch aus politischen Gründen nicht“, so Wendig weiter. Sie setzten eher auf heimische oder europäische Werte. Für ein diversifiziertes Portfolio wäre aber beispielsweise ein Dax-ETF allein ungeeignet“, gab Selle zu Bedenken. Dieser umfasse nur 30 Werte und enthalte viele konjunktursensible Branchen wie die Automobilindustrie. „Wer passiv einen Index kauft, kauft neben guten Werten auch die schlechten“, legte Sauter den Finger in die gleiche Wunde. Es sei mit ETFs nicht möglich, in die volle Breite des Marktes zu investieren, mit den unterschiedlichen Anlageklassen wie auch Gold oder Immobilien, unterstrich Tripp. „ ETFs kann man aber gezielt einsetzen für bestimmte Anlageziele“, sagte Tripp. Sie müssten genau in Augenschein genommen werden, schon allein, weil es synthetische ETFs gebe und replizierende. Letztere halten tatsächlich die Wertpapiere des Index, den sie nachbilden. Ein synthetischer ETF hat dagegen ein Finanzderivat. In der Regel wird eine Tauschvereinbarung mit einem anderen Finanzhaus abgeschlossen, nach der der ETF die Rendite des Indes erhält. Einige Experten sehen darin ein höheres Risiko, andere halten die Risiken für vergleichbar. Auch Währungsrisiken bergen ETFs. Die sichert Patzek ab. Andere wie Selle von Oddo BHF nehmen Währungsrisiken bewusst in Kauf. Er sei überzeugt von der erfolgreichen Performance der Titelselektion. Sauter wies darauf hin, dass viele der Unternehmenskunden von Julius Bär schon mit ihrer Firma und Immobilien im Euro-Raum investiert sind. Da mache es durchaus Sinn, im liquiden Vermögen auch andere Währungen zu berücksichtigen.

Aktives Management  
  

„Ein aktives Management des Portfolios, welches unsere Kunden von uns erwarten, verspricht aus meiner Sicht auf lange Sicht höhere Erträge gegenüber einem passiven Ansatz wie zum Beispiel über ETF“, sagte Di Martino. Auch Wendig von M.M. Warburg & CO setzte auf aktives Management der Portfolien. Bei der Anlage gelte es nicht nur die Rendite in den Blick zu nehmen, sondern auch das Risiko. Mit ETFs könne man aber nicht nur Länder und Indizes abbilden, sondern ebenso besondere Themen, in die man breit diversifiziert investieren könne.

Tiefgreifende Veränderungen

Anders als das Coronavirus, das in wenigen Wochen die Welt verändert hat, gibt es tiefgreifende Veränderungen, die sich über Jahre entwickelt haben, jetzt aber deutlicher werden. Im Zuge der Pandemie haben viele Unternehmer den Blick verstärkt auf die Lieferketten gerichtet, die angespannt waren oder gar gerissen sind. Dabei sei die Globalisierung bereits seit zehn Jahren rückläufig, unterstrich Tripp. Sie verschiebe sich vom industriellen Sektor zu Dienstleistungen. Software komme oft aus Indien und China, das durch den stark zunehmenden e-Sport einen weiteren Schub bekommen sollte. „In zehn Jahren werden wir einen anderen Welthandel haben als heute“, prophezeite er.

Nachhaltig investieren

Klimawandel und nachhaltiges Investieren bleiben aber Themen. „Wir richten unsere Vermögensstrategien ab dem 1. September 2020 nachhaltig aus“, sagte Di Martino. Der Klimawandel spiele vermehrt auch für junge Anleger eine Rolle, die daher nachhaltig investieren wollten, sagte Hoppe. Dabei seien nachhaltige Investments für Merck Finck, die im Juli 150 Jahre alt werden, schon jeher Ausdruck der Anlagepolitik. Doch das ist gar nicht so einfach. Bei der Unternehmensführung sei der Vorteil von Nachhaltigkeitskriterien recht leicht festzustellen, so Tripp: „Haben Unternehmen mehr Frauen im Vorstand als andere, sind sie im Durchschnitt erfolgreicher.“ Ökologische und soziale Kriterien seien aber betriebswirtschaftlich schwerer zu greifen. Wer wirklich alle ESG-Kriterien, die auf Umweltschutz, Sozialstandards und gute Unternehmensführung abheben, erfüllt sehen möchte, hat es nicht leicht. Laut Wendig gibt es die Möglichkeit, mit großen Datenbanken individuelle Kriterien für das nachhaltige Investieren zu defi nieren. Dabei gelte es zu beachten, dass je strenger die Filterkriterien definiert werden, desto kleiner werde das Anlageuniversum. „Wer wirklich alle ESG-Kriterien erfüllt sehen möchte, bekommt Probleme mit der Diversifikation des Portfolios“, so Wendig. Da ist also wieder guter Rat gefragt, für den es die Speziallisten gibt. Ralf Arenz