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Bild: von Hoensbroech

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Neue Schiffsbrücke schont Zeit und Umwelt

24.11.2021

Im Juni gab es im Godorfer Hafen viel zu sehen. Doch der neun Meter breite, 100 Meter lange und 2400 Tonnen schwere Koloss, der da über den Rhein geschippert kam, war kein Schiff. Bei dem Ponton aus Beton und Stahl handelte es sich um einen komplett montierten schwimmenden Schiffsanleger.

Jetty, so der Projektname, war zuvor im über 100 Kilometer entfernten Wesel zusammengebaut worden. Fast 40 Stunden dauerte der Transport mit einem leistungsstarken Schlepper und einem Schiff über den Rhein bis in den Kölner Süden. Die fertige Brücke musste anschließend nur noch an die vorbereitete Hafeninfrastruktur angeschlossen werden – sozusagen Plug and Play. Der neue Schiffsanleger ersetzt nun ein altes Brückenbauwerk.

Der Zusammenbau in Wesel ersparte den Nachbarn des Energy and Chemicals Park Rheinland zum einen Baustellenlärm, zum anderen hatte er für Shell klare wirtschaftliche Vorteile. So konnten die Hafenmitarbeiter die Rheinschiffe ungestört über den alten Anleger beund entladen. Zudem konnte Jetty in Wesel viel schneller als im Godorfer Hafenbecken bei laufendem Betrieb gebaut werden. Das Grundgerüst war zuvor in einer Werft im emsländischen Papenburg erstellt worden – dort, wo auch riesige Kreuzfahrtschiffe entstehen.

Ganz ohne Bauarbeiten ging es jedoch im Godorfer Hafen nicht. Denn Arbeiter mussten die Sohle des Hafenbeckens unterhalb des neuen Schiffsanlegers freiräumen. Eine echte Innovation, die den Aufwand reduziert sowie Zeit und Umwelt schont: Die neue Brücke wird nur an sechs sogenannten Dalben befestigt. Diese 32 Meter langen Stahlrohre sind bis zu 22 Meter tief in die Hafensohle verankert. Bei einer konventionellen Verladebrücke sind 40 Dalben nötig, die mit einem riesigen Vibrations- und Schlaghammer in den Untergrund gehämmert werden.

Bis Ende des Jahres wird die neue Brücke an einem bereits landseits installierten Brückenteil befestigt sein. Außerdem werden die drei Verladearme für Diesel und Aromaten an Rohrleitungen und die Brücke insgesamt an Wasser, Strom und Löscheinrichtungen angeschlossen. Die Inbetriebnahme erfolgte im September. Die alte Brücke wird seitdem zurückgebaut.