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Ohne die nötigen Passwörter wird der Zugriff verweigert Bild: fizkes/stock.adobe.com

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Ohne Zugangsdaten können große Probleme drohen Der digitale Nachlass sollte möglichst frühzeitig geregelt werden

29.10.2020

Das Internet ist für viele Menschen bereits zum bedeutendsten Medium überhaupt geworden. Knapp 90 Prozent der Leute gehen hierzulande online. Die logische Konsequenz: In Deutschland nutzt fast jede Person diverse Dienste wie E-Mail-Konten, Onlinbanking, Bezahlsysteme, Handyverträge, Streamingangebote oder Social-Media-Portale. Und da diese nicht für jeden zugänglich sein sollten, werden sie durch festgelegte Passwörter vor Eingriffen Unbefugter geschützt. Allerdings sind diese in den allermeisten Fällen nur dem Kontoinhaber selbst und niemand sonst bekannt.

Entsprechende Vorsorge

Verstirbt eine Person, ohne dass die Benutzernamen und Kennwörter für Hinterbliebene hinterlegt wurden, kann dies zu Problemen führen. Denn Online-Dienste geben die Daten nicht ohne Weiteres raus. „Der digitale Nachlass ist zwar ein Bestandteil des Gesamterbes, aber bei diesem Thema werden eben viele Rechtsgebiete berührt, wie das Urheberrecht, Fernmeldegeheimnisse oder das Telemediengesetz“, erklärt Antje Brack, die beim Deutschen Roten Kreuz als Expertin für Testamentspenden tätig ist. „Doch der Gesetzgeber hinkt bei diesen Themen derzeit noch hinterher. Eine entsprechende Vorsorge ist sehr wichtig und sollte unbedingt rechtzeitig vorgenommen werden.“

Liste anlegen

Es empfiehlt sich deshalb, eine Liste anzulegen, auf der alle digitalen Konten samt ihrer Zugangsdaten verzeichnet sind, und diese sicher zu verwahren. „Auf diese Weise können Hinterbliebene einen Überblick bekommen. Im Idealfall ist in dieser sogenannten digitalen Vollmacht ergänzend festgelegt, was mit den verschiedenen Konten nach dem Tod einer Person im Detail geschehen soll“, sagt Brack. „Übrigens empfehle ich dies auf einem separat beglaubigten Schriftstück zu erledigen, anstatt in einem Testament. Denn bis das Testament eröffnet wird, dauert es eine gewisse Zeit. Viele Verträge sollten aber am besten direkt gekündigt werden.“

Verträge kündigen

Passiert das nicht, können für Erben möglicherweise Kosten entstehen. Immerhin laufen diverse Abos trotz des Versterbens einer Person zunächst weiter, wenn der Tod des Abonnenten dem jeweiligen Dienstleister nicht mitgeteilt oder der Vertrag entsprechend gekündigt wurde. „Es muss bedacht werden, dass die Verträge nicht automatisch enden und Nutzerkonten in sozialen Netzwerken mit dem Tod eines Menschen nicht erlöschen. Deshalb lohnt sich die digitale Vollmacht für alle Beteiligten“, sagt Brack. „Sie spart nicht nur Geld, sondern verhindert auch, dass Hinterbliebene in einer Phase des Trauerns unliebsame Recherchearbeiten vollrichten müssen.“

Handschriftlich verfassen

Wann der richtige Zeitpunkt für die Erstellung eines solchen Papiers ist, bleibt jedem selbst überlassen. Nur: Wie muss eine derartige Vollmacht aussehen, damit sie gültig ist? „Die Vollmacht muss handschriftlich verfasst sein und klar erkennen lassen, dass sie über den Tod des Verfassers hinaus gilt. Datum und Unterschrift sind ebenfalls unerlässlich“, erklärt Brack. „Über den Internetauftritt der Bundesregierung bekommen Interessierte alle wichtigen Informationen sowie Mustervorlagen. Auch Rechtsanwälte können dabei helfen, die optimale Vorsorge zu treffen.“