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Mit jemandem über die Situation zu sprechen, kann enorm hilfreich sein Bild: auremar/stock.adobe.com

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Personen, die Halt geben Professionelle Trauerbegleiter versuchen Menschen dabei zu helfen, ungewohnte Lebenssituationen besser zu meistern

29.10.2020

Den Tod einer nahestehenden Person zu begreifen, fällt vielen Menschen schwer. Wenn sich im Umfeld keine Personen befinden, mit denen die Hinterbliebenen über ihre Gefühle sprechen können, kann die Trauer womöglich nicht ausreichend verarbeitet werden.

Hohe Anforderungen

Umso wichtiger ist die Existenz von Trauerbegleitern. „Der Königsweg der Trauerbewältigung ist, wenn man in familiären oder freundschaftlichen Zusammenhängen Trauerbegleitung erfährt. Allerdings haben längst nicht alle Personen in Deutschland diese Möglichkeit“, erklärt Norbert Mucksch, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Trauerbegleitung e. V.

„Die familiären Zusammenhänge sind durch die erhöhte Fluktuation in der Gesellschaft nicht mehr so stark. Hinzu kommt, dass das Angebot der Trauerbegleitung durch kirchliche Einrichtungen geschrumpft ist und auch die Nachfrage nachgelassen hat.“ Die Anzahl der Trauerbegleiter ist in den letzten Jahren hingegen kontinuierlich gestiegen, wobei die Anforderungen an eine solche Person groß sind. Schließlich müssen sie für Menschen in einer schwierigen Lebenssituation da sein und sie emphatisch begleiten. „Es geht nicht darum, die Probleme der Menschen sofort zu lösen“, sagt Diplomtheologe Mucksch. „Vielmehr wird versucht, Trauernden Möglichkeiten zu bieten, in denen sie von ihrem Leid erzählen können. Dabei bekommen sie auch die Chance, sich zu wiederholen.“ Denn häufi g bekämen Trauernde aus ihrem Umfeld das Signal, dass sie ihr Leid schon oft genug erzählt hätten und dass es nun gut sein müsse. „Doch über den jeweiligen Gefühlszustand entscheidet nicht das Umfeld, sondern stets die trauernde Person selbst.“

Ausgiebige Selbstreflexion

Damit Trauerbegleiter eine bestmögliche Hilfe sein können, durchlaufen sie eine anspruchsvolle Ausbildung. Der Bundesverband Trauerbegleitung hat dafür vor mehr als zehn Jahren Standards etabliert. „Ein Kurs dauert anderthalb Jahre, beinhaltet mehrere Blöcke, etwa 200 Unterrichtsstunden mit begleitender Supervision sowie einem hohen Anteil an Selbsterfahrung“, erklärt Mucksch. „Im ersten Drittel geht es zunächst darum, sich im Detail mit der eigenen Trauerbiografi e zu beschäftigen. Denn die eigenen Erlebnisse müssen zunächst ausreichend refl ektiert worden sein.“ Weitere Teile der Ausbildung sind das Studieren von Fachliteratur, das Kennenlernen vorhandener Institutionen und Beratungsstellen zu Weitervermittlungszwecken, die Gesprächsführung an sich sowie das Erlernen der Leitung von Gruppengesprächen. Am Ende schreiben alle Teilnehmer eine erfahrungsorientierte Abschlussarbeit, mit der sie sich anschließend in der Gruppe intensiv auseinandersetzen.“

Viel Sensibilität

Allerdings kommt längst nicht jede Person für eine solche Ausbildung infrage. Schließlich ist dafür ein großes Maß an Sensibilität gefragt. „Ein Trauerbegleiter sollte zuhören, aber ebenso das Wort ergreifen können“, sagt Mucksch. Menschen, die geeignet für eine solche Aufgabe sind, finden hierzulande mittlerweile zahlreiche Angebote vor. „Es gibt immer mehr Kursangebote, die über die Bundesrepublik verteilt sind“, erklärt Mucksch. „Deshalb gibt es in Deutschland flächendeckend Trauerbegleiter.“ Heißt: Personen, die Hilfe bei der Bewältigung ihrer Trauer brauchen, werden in den meisten Orten Deutschlands mit ihren Sorgen nicht alleine gelassen. Selbst dann nicht, wenn es in ihrer Familie oder in der nahegelegenen Kirchengemeinde keinen geeigneten Gesprächspartner gibt.