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In den Startlöchern: Die Stars des Hänneschen-Theaters vertreten 2021 die Mitwirkenden des großen Zuges

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D‘r Zoch kütt im Kleinformat Der Rosenmontagszug fällt aus? Nicht ganz, denn durch die Eventhalle des Festkomitees zieht in diesem Jahr erstmals eine Puppenversion

9.02.2021

Seit seiner Erstauflage 1823 bedeutet der Rosenmontagszug den Höhepunkt des Kölner Karnevals. Über eine Strecke von gut sieben Kilometern windet sich der närrische Lindwurm über die Straßen – vom Start an der Severinstorburg bis zur Mohrenstraße. Rund 10.000 Mitwirkende trecke durch Kölle: auf Prunkwagen, Pferden oder schlicht zo Foß. Mehr als 70 Kapellen sorgen für die musikalische Begleitung, Tanzgruppen für fröhliche Stimmung. Und die Persiflagewagen liefern pointierte Spitzen gegen die Obrigkeit. Doch dieses von rund einer Millionen Menschen verfolgte Spektakel kann in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht in der gewohnten Form stattfinden.

Das ist ein harter Schlag für alle Jecken, doch es gibt zumindest einen kleinen Trost. Denn das Festkomitee Kölner Karneval um Zugleiter Holger Kirsch hat sich für den diesjährigen Rusemondaach etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Nachdem sich verschiedene Planspiele wegen der aktuellen Lage nicht verwirklichen ließen, darunter ein Zug durch das Rheinenergie-Stadion, entstand die Idee, den Umzug im Kleinformat umzusetzen. Und was läge da näher als eine Kooperation mit dem Hänneschen-Theater? Schließlich verfügt das kölsche Traditionshaus (gegründet 1802) bekanntlich über reichlich Expertise in Sachen Puppenspiel.

Der Rosenmontagszug fällt aus? Nicht ganz, denn durch die Eventhalle des Festkomitees zieht in diesem Jahr erstmals eine Puppenversion Image 2

Schauplatz des Zuges en miniature wird die Eventhalle des Festkomitees am Maarweg in Braunsfeld sein. „Dort haben wir ausreichend Platz, um eine breite Bühne für die Teilnehmer und natürlich die Festwagen zu schaffen”, erläutert Zugleiter Kirsch. „Außerdem lassen sich die geltenden Corona-Bestimmungen in der Halle ohne Schwierigkeiten einhalten.“

Dabei müssen die Narren auf keines ihrer geliebten Elemente des „echten“ Zuges verzichten. Den Anfang machen wie gewohnt die Blauen Funken. Tanz- und Musikgruppen fehlen ebenso wenig wie der krönende Abschluss mit dem Dreigestirn. Selbst an die Kamelle haben die Organisatoren gedacht, wenngleich sich die Zuschauerzahl im überschaubaren Rahmen bewegt. Das I-Tüpfelchen bilden die Persiflagewagen, die vom bewährten Kreativteam Kommando Kritzelköpp geschaffen werden und exakt den geplanten Originalen entsprechen.


"Es ist eine große Ehre, das Projekt für Köln mitgestalten zu dürfen"


Der Vorschlag für einen Puppenzug stieß beim Hänneschen-Theater auf offene Ohren. „Das ist eine Riesenchance für uns“, erklärt Intendantin Frauke Kemmerling. „Das ist eine große Ehre, und wir können stolz sein, für Köln so ein Projekt maßgeblich mitgestalten zu dürfen.“ Möglich wurde das vor allem durch den Einsatz der Hänneschen-Werkstatt mit ihrem Leiter Ralf Bungarten und den Mitarbeiterinnen der Puppenabteilung. „Als Vertreter des Hänneschen-Theaters haben Georg Lenzen, Stefan Mertens und ich gemeinsam mit den Kritzelköpp und dem Zugleiter Holger Kirsch an dem Projekt gearbeitet“, sagt Ensemble-Mitglied Silke Essert. „Besonders begeistert waren wir von der reibungslosen Zusammenarbeit in einer total angenehmen Atmosphäre.“ Selbst wenn der liebevoll gestaltete Zoch kein gleichwertiger Ersatz für das große Schauspiel sein kann, und auch gar nicht sein will, sollte sich kein kölscher Jeck diese charmante und fantasievolle Lösung entgehen lassen.

Zugleiter Holger Kirsch und Hänneschen-Intendantin Frauke Kemmerling stellen den Puppenzug vor
Zugleiter Holger Kirsch und Hänneschen-Intendantin Frauke Kemmerling stellen den Puppenzug vor

177 Teilnehmer
10 Fußgruppen
3 Tanzgruppen
12 Reiter
1 Musikgruppe
2 Wagenbegleiter
2 Polizisten
AWB: Kehrforce One
16 Persiflagewagen
10 Prunkwagen
5 Pferde, teilweise mehrfach im Einsatz
3 Kamelletüten
eine Hand voll Zuschauer
2 Traktoren, mehrfach im Einsatz
32 m Zugstrecke
etwa 70 m Zuglänge
   

Die Übertragungen

Live im TV: Der WDR überträgt den Puppenzug am 15. Februar um 14 Uhr im Rahmen der Sendung Rosenmontag in Köln: Der ausgefallenste „Zoch“! Es moderieren Monika Salchert und Guido Cantz, Gäste sind unter anderem Kasalla und Wicky Junggeburth.

„Karneval für alle“: Der „Mini-Zug“ wird auch für Blinde und Gehörlose zugänglich sein. Der Blindenreporter des 1. FC Köln, Wolfgang Gommersbach, macht den Zoch in einer Domradio-Sondersendung erlebbar. Die Übersetzung in Gebärdensprache streamt der Landschaftsverband Rheinland live auf Facebook: www.facebook.com/lvr.inklusionerleben