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Der Wandel der Schullandschaft: Rückkehr zum G9-System – Erziehungsberechtigte sollten die Lehranstalt sehr sorgfältig wählen

Im Sommer 2019 hat die Gesamtschule Eifel den Standort Nettersheim in Betrieb genommen. Dort wird die Oberstufe unterrichtet          Bild: Bernd Zimmermann

Wieder stehen dem Schulsystem im Kreis Euskirchen Änderungen bevor, diesmal durch die Rückkehr zum G9-System an den Gymnasien. Derweil wächst die Anzahl der Gesamtschulen, gleichzeitig wird deutlich, dass Haupt- und Realschule die Zukunft nicht fürchten müssen.

Mehr Raum zum Lernen

„Wir sehen es als Chance, die Schüler durch G9 und ein Jahr mehr an Persönlichkeitsentwicklung mit mehr Selbstbewusstsein in die duale Ausbildung oder das Hochschulstudium entlassen zu können“, sagt Georg Jöbkes, Leiter des Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasiums Schleiden. Erst im Schuljahr 2026/2027 wird es wieder eine Jahrgangsstufe 13 an der Schule geben. Was den zusätzlichen Raumbedarf anbelangt, bleibt Jöbkes daher entspannt: „Im Zuge des Erweiterungs- und Wiederaufbaus nach der Brandstiftung Ende 2018 ist der Raumbedarf schon mit eingeplant.“ Konkurrenz durch die Gesamtschulen in der Region befürchtet Jöbkes auch weiterhin nicht. 425 Schüler besuchen momentan das Sturmius-Gymnasium, sie werden von 37 Lehrern unterrichtet. „Wir hatten gute Anmeldezahlen vergangenes Jahr. Die Eltern haben uns trotz der Brände ihr Vertrauen entgegengebracht“, sagt Jöbkes. An den beiden Gymnasien in Bad Münstereifel begrüßt man einhellig die Rückkehr zu G9. Annett Schorlepp, Leiterin des St.-Michael-Gymnasiums mit rund 700 Schülern, freut sich darüber, nun vor allem in der Mittelstufe mehr Förder- und Forderangebote schaffen zu können. Auch der Bereich Soziales Lernen soll ausgeweitet werden. Ähnlich sieht es ihr Kollege Bernhard Helfer am St.-Angela-Gymnasium. G8 sei durch den verstärktenNachmittagsunterricht für die Schüler schon eine Belastung gewesen, zumal das Gros der Schüler lange Anfahrtswege habe. Das sei zu Lasten der AGs gegangen.
   
Gesamtschule Eifel
Komplette Durchmischung

Wird G9 sich im Gegenzug negativ auf die Gesamtschule Eifel auswirken? Schließlich geht ein bisheriger Unterschied zum Gymnasium, die um ein Jahr längere Schulzeit, wieder verloren. Gesamtschulleiterin Eva Balduin glaubt nicht, dass dadurch die Schülerzahlen sinken werden. Im Sommer 2019 hat die Schule zudem den Standort Nettersheim in Betrieb genommen. Dort wird die Oberstufe unterrichtet, die jüngeren Schüler sind weiterhin in Blankenheim. Balduin ist trotz G9 optimistisch: „Das macht für uns keinen Unterschied, glaube ich. Der Zuspruch wird eher noch höher werden.“ Dass es das schulische Angebot einer Gesamtschule in der Eifel gebe, spreche sich herum: „Wir werden gerade populär. Das Konzept trägt Früchte.“ Der Vorteil dieser Form sei die komplette Durchmischung der Schülerschaft. Mittels unterschiedlicher Aufgabenstellungen lernten Kinder mit Förderbedarf dort ebenso wie Hochbegabte in einer Klasse.

"Eltern begrüßen das dreigliedrige Schulsystem"

Gleichwertiges Angebot
  
Nach dem Brand schreiten die Arbeiten im Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden voran Bild: Hanna Bender
Nach dem Brand schreiten die Arbeiten im Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden voran Bild: Hanna Bender
45 der 745 Schüler besuchen seit diesem Schuljahr die Oberstufe in Nettersheim. 120 Schüler waren letzten Sommer in der zehnten Klasse, 65 davon hatten nach Angaben der Schulleiterin die Qualifikation für die Oberstufe geschafft. Insgesamt 70 Lehrer arbeiten an den beiden Standorten. Bei Anzahl und Vielfalt der Kurse für die Oberstufe sieht Balduin die Gesamtschule ebenfalls nicht im Nachteil: „Wir haben genauso viele Fächer im Angebot wie die umliegenden Gymnasien.“ Die etwas geringere Kursgröße sieht sie als Vorteil an: „Wir wollen in der Oberstufe nicht größer werden. So können wir den einzelnen Schülern besser gerecht werden.“

Weiteres Wachstum
  
Im November weihte die Gesamtschule Euskirchen ihre Dreifachsporthalle ein Bild: Johannes Bühl
Im November weihte die Gesamtschule Euskirchen ihre Dreifachsporthalle ein 
Bild: Johannes Bühl
Der Gesamtschule Euskirchen, gegründet 2014, steht die Einrichtung der Oberstufe erst noch bevor. Sie geht im kommenden Sommer an den Start. „Unsere Wunschzahl beläuft sich auf 50 Schülerinnen und Schüler, wir können aber auch mehr unterbringen“, sagt Direktor Thomas Müller. Die Oberstufe wird sich aus Schülern aus dem eigenen Haus und aus solchen zusammensetzen, die momentan umliegende Schulen ohne gymnasiale Oberstufe besuchen. Während die Gesamtschule mittlerweile 970 Schüler in ihren Reihen hat und immer noch wächst, sind sämtliche Hauptschulen in Euskirchen von der Bildfläche verschwunden. In der Nachbarstadt Zülpich ist das anders: Dort existieren nach wie vor eine Haupt- und eine Realschule. „Viele Eltern begrüßen das dreigliedrige Schulsystem“, sagt Raphaela Kehren, Leiterin der Karl-von-Lutzenberger-Realschule, die von etwa 620 Schüler besucht wird. Im aktuellen Schuljahr sind vier fünfte Klassen am Start. „Wir platzen aus allen Nähten“, gibt Kehren zu. Die zweizügig geplante Schule komme aktuell an ihre Grenzen, sehnsüchtig wird auf den geplanten Erweiterungsbau gewartet.

Wichtige Rolle
  
In der Hauptschule Hellenthal wird es dank steigender Anmeldezahlen langsam sogar eng Bild: Franz Küpper
In der Hauptschule Hellenthal wird es dank steigender Anmeldezahlen langsam sogar eng Bild: Franz Küpper
„Wir bekommen die Raumnot durch den engen Austausch mit den Kollegen der Hauptschule und des Gymnasiums gut gelöst“, sagt die Schulleiterin. Die Tatsache, dass die Realschule keine Ganztagsschule sei, komme bei den Eltern gut ebenfalls an: „Dadurch kann das Vereinsleben gelebt werden. Gerade in einer so vereinsstarken Stadt wie Zülpich spielt das bei der Schulwahl eine wichtige Rolle.“ Am Standort Schleiden werden aller Voraussicht nach alle Kinder, die die Realschule besuchen wollen, einen Platz erhalten – trotz der großen Nachfrage. Birgit Barrelmeyer, Leiterin der städtischen Realschule: „Wir haben seit einigen Jahren stabile Schülerzahlen.“ Mit dem Realschulzweig der Clara-Fey-Schule habe die Stadt insgesamt fünf Realschulklassen zur Verfügung, sagt Barrelmeyer.

Eng verküpft

537 Schüler werden an der städtischen Realschule zurzeit von 34 Lehrern unterrichtet. Sollte die Nachfrage steigen, könne man von drei- auf vierzügig erweitern, erklärt Barrelmeyer. „Dass die Realschule ein Halbtagsangebot hat, wahlweise mit Nachmittagsangebot, wird positiv aufgenommen.“ Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis sowie die Berufsorientierung seien für viele Eltern ebenfalls ein Pluspunkt. „Nach der zehnten Klasse haben die Schüler alle Möglichkeiten.“ Der Leiter der Gemeinschaftshauptschule Hellenthal, Heinz Wolfgarten, prognostiziert weiter steigende Anmeldezahlen. Die derzeitige fünfte Klasse, die aus 30 Kindern besteht, werde spätestens nächstes Jahr geteilt. Ab der sechsten Klasse sei die Schule zweizügig. Momentan unterrichten 19 Lehrer knapp 240 Schüler. Da es inzwischen nur noch relativ wenig Hauptschulen gebe, werde es in Hellenthal eng, so Wolfgarten: „Das hat vor allem den Grund, dass wir verpflichtet sind, nach der Orientierungsstufe die Kinder aufzunehmen, die von höheren Schulformen abgehen.“ Gerade wenn Grundschüler etwa eine eingeschränkte Empfehlung für die Realschule hätten, sollten die Eltern die Schulform sehr sorgfältig wählen, empfiehlt er. Selbstverständlich liege die Entscheidung bei den Eltern, jedoch: „Das Erfolgserlebnis für die Kinder ist ganz anders, wenn sie auf- statt absteigen.“
  

Kurz & kompakt

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Bewusste Entscheidung

Hat die Rückkehr der Gymnasien im Kreis Euskirchen zu G9 Auswirkungen auf die Anmeldungen bei den Gesamtschulen? Stephan Steinhoff, der Leiter der Weilerswister Gesamtschule, die vor 27 Jahren als erste Gesamtschule im Kreis Euskirchen gegründet wurde, sieht das nicht. Die Rückkehr der Gymnasien zu G9, so seine Einschätzung, werde keinen Einfluss auf die Anmeldungen zur Gesamtschule haben. Die Entscheidung, ihr Kind auf eine Gesamtschule zu schicken, werde von Eltern ganz bewusst im Hinblick auf die große Durchlässigkeit einer Gesamtschule im Vergleich zum dreigliedrigen Schulsystem getroffen. Eine Schule, die alle Abschlüsse ermögliche, gebe ihnen die Zeit, in Ruhe die schulische Entwicklung ihres Kindes abzuwarten und sich erst in deren Verlauf für einen Abschluss zu entscheiden. In der Weilerswister Gesamtschule mit ihren insgesamt rund 1.150 Schülern liege die Zahl derer, die nach der Klasse 10 die gymnasiale Oberstufe besuchen, stets im Bereich zwischen 60 und 90 von insgesamt 140 Schülern eines Jahrgangs.
  
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