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Bild: von Hoensbroech

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Shell strebt an, den Standort Wesseling ab 2025 rohölfrei zu machen

24.11.2021

Der Umbau der ehemaligen Shell Rheinland Raffinerie zum Energy and Chemicals Park Rheinland (Shell Rheinland) schreitet voran. Als nächsten Schritt plant die Shell Deutschland GmbH, den Standort Wesseling rohölfrei zu machen. Mit neuen oder umgewidmeten Anlagen soll künftig der Rohstoff Erdöl ersetzt werden. Für mehr CO2-freie oder -arme Produkte kommen zunehmend Wasserstoff, zirkuläre Abfallstoffe sowie biogene Einsatzstoffe zum Einsatz. Dafür sollen bestehende Anlagen abgebaut, neue geschaffen und vorhandene umgerüstet oder umgewidmet werden. Die Planungen für die Einstellung der Rohölverarbeitung befinden sich noch am Anfang. Eine finale Investitionsentscheidung steht noch aus.

Die Mitarbeiter wurden über die Pläne informiert, die Rohölverarbeitung am Standort Wesseling ab 2025 einzustellen. Die Rohöldestillationen in Köln-Godorf bleiben in Betrieb. Der Shell Verbund in Nord-West-Europa stellt die Versorgungssicherheit mit Kraftstoffen und anderen Mineralölprodukten in den kommenden Jahren sicher.

Shell will bis spätestens 2050 im Einklang mit der Gesellschaft ein Netto-Null-Emissionsunternehmen werden. Durch die Umbauten in Wesseling wird Shell Rheinland direkt jährlich eine Million Tonnen direkte CO2-Emissionen einsparen.

Im Juli wurde in Wesseling bereits Europas größte PEM-Wasserstoff-Elektrolyse zur Herstellung von grünem Wasserstoff, REFHYNE, offiziell eingeweiht. Schon heute plant Shell die Errichtung einer 100-MW-Elektrolyse-Anlage. Daneben ist eine Bio-PTL-Anlage geplant, in der aus grünem Strom und Biomasse synthetische Flugkraftstoffe und Rohbenzin hergestellt werden. Beide Projekte befinden sich in einem fortgeschrittenen Planungsstadium, stehen aber noch vor einer finalen Investitionsentscheidung. Für eine Anlage zur Herstellung von Bio-LNG für den Schwerlastverkehr wurde die finale Investitionsentscheidung bereits getroffen.

„Die Transformation von den bislang noch energieintensiven Industrien hin zu klimaneutralen Unternehmen ist ein wichtiger Beitrag, um möglichst schnell den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu reduzieren, den Klimawandel zu bremsen und einen aktiven Ressourcenschutz zu betreiben“, sagte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. „Daher begrüßen wir den von Shell angekündigten Umbau und die damit verbundene CO2-Neutralität des Raffineriestandortes sowie eines Großteils der dort erzeugten Produkte. Die vorgestellten Pläne für die ‚Rohölfreiheit‘ eines Teils der Raffinerie bis zum Jahr 2025 sind in diesem Zusammenhang ein eindrückliches Signal und auch ein wichtiger Schritt hin zum angestrebten Ziel eines klimaneutralen Energiesystems.“

„Als Raffinerie haben wir in den vergangenen Jahrzehnten auf dem fossilen Energiemarkt eine wichtige Rolle gespielt. Diese wollen wir künftig mit einem völlig veränderten Produktportfolio auch als Energy and Chemicals Park Rheinland übernehmen“, erläutert Dr. Marco Richrath, General Manager des Energy and Chemicals Park Rheinland. „Gerade im Zuge der Energiewende wollen wir Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ein verlässlicher Partner sein.“


Sanierungsarbeiten gehen schneller voran

Shell wird die umfangreichen Instandsetzungsarbeiten der Rohrleitungen schon fünf Jahre früher abschließen. Unabhängige Experten und die zuständige Behörden haben die Maßnahmen von Anfang an begleitet. Das gemeinsame Ziel: Das Risiko unbemerkter Produktaustritte minimieren.

Das Teilprojekt Street Grommet wird bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Bis dahin haben wir alle Leitungen in Straßendurchführungen offengelegt“, erklärt Dr. Frank Beyer. Er ist als Manager HSE beim Shell Energy and Chemicals Park Rheinland für das Thema Umwelt zuständig. Das Projekt Street Grommet – die Einsehbarkeit von Leitungen unter Straßendurchführungen in Köln-Godorf – ist Teil des gesamten Sanierungsprogramms von Rohrleitungen (Rheinland Programm Rohrleitungen – RPR). Dieses wird bereits 2029 komplett fertig gestellt, und damit fünf Jahre früher als zunächst geplant.

Das 2014 aufgesetzte Programm war aufgrund einer im April 2020 entdeckten Leckage im Bereich einer Straßendurchführung im Südwesten des Werks in Köln-Godorf neu aufgesetzt und erweitert worden. Bei dem ausgetretenen Produkt handelt es sich um LGO (light gas oil). „Die Austrittsmenge konnte aufgrund des Schadensbildes und der Austrittsdauer nicht genau bestimmt werden. Sie wurde übereinstimmend vom Korrosions- als auch vom Bodengutachter konservativ mit circa 300 Tonnen berechnet“, erklärt Dr. Frank Beyer.

Über die Maßnahmen wurde das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die zuständige Bezirksregierung Köln informiert. In einem Gespräch mit der Geschäftsleitung hatte Ministerin Ursula Heinen-Esser die geplante Beschleunigung des Sanierungsprogramms begrüßt. Der Fokus liegt nun auf den noch vorhandenen kritischen Kreuzungspunkten, die im Laufe des Jahres abgearbeitet werden. Über 120 Leitungen wurden bereits offengelegt, das bringt eine Risikoreduzierung von rund 80 Prozent. Für die verbleibenden Rohrleitungen werden umgehend die von den Gutachtern vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt. Der abschließende Umbau zu Brückenkörpern soll dann bis 2029 erfolgt sein.

„Bis Ende September 2021 konnten wir über die vier Sanierungsbrunnen circa 43 Kubikmeter LGO zurückgewinnen. Auf unserer Homepage wird zudem monatlich über den Sanierungsstand und die zurückgewonnenen Mengen informiert“, erklärt der HSE Manager. Der Schaden ist ortsfest und breitet sich nicht weiter aus. Weitere Maßnahmen sind abhängig vom Ergebnis der gutachterlichen Untersuchungen des Schadens sowie der Zustimmung der Behörde. „Eine Vorauswahl ergänzender Sanierungsverfahren haben wir im Juni 2021 der zuständigen Behörde übermittelt“, so Dr. Frank Beyer.

Nachdem die Leitungsleckage entdeckt worden war, hatte Shell das vorhandene Sicherheitsmanagement von einem unabhängigen Expertenteam unter der Führung von Professor Dr. Christian Jochum, dem langjährigen Vorsitzenden der Kommission für Anlagensicherheit beim Bundesumweltministerium, untersuchen lassen. Im Abschlussbericht kam das Gutachterteam 2020 zu dem Schluss, dass die vormals hohe Zuverlässigkeit von Mantelrohren nicht mehr generell gegeben sei. Mantelrohre umhüllen die sogenannten Produktleitungen und bieten einen zusätzlichen Schutz bei der Untermauerung von Straßen.
   

Mehr Infos

Hier finden Sie den aktuellen Stand zu den Sanierungsfortschritten:

www.shell.de/ueber-uns/projects-and-sites/shell-rheinland/aktuelles