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Bild: Christian Nielinger

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Sinfonische Blasmusik versus lyrische Streicherklänge Studierende spielen Werke von Mahler, Strauss, Reed und Lekeu

29.10.2020

Eigentlich sollte am 20. und 21. November im Konzertsaal der Hochschule für Musik und Tanz Köln die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven erklingen. Eigentlich…, aber die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Vorgaben für Orchester und Chöre machen dies unmöglich. Also musste ein neues Programm für eine kleinere Orchesterbesetzung her. Prof. Alexander Rumpf, Dirigent des Hochschulorchesters wählte vier Werke aus, die unterschiedlicher nicht sein können.

Der Amerikaner Alfred Reed (1921–2005) gehört sicher zu den Komponisten, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Genre der sinfonisches Blasmusik maßgeblich geprägt und weiterentwickelt haben. Seine im Sommer 1952 fertiggestellte Sinfonie für Blechbläser und Schlagzeug wurde im Dezember desselben Jahres auf dem Kongress der National Association unter der Leitung von Donald I. Moore von Mitgliedern der Oberlin Symphonic Band uraufgeführt. Reed hatte den Auftrag zur Komposition direkt von Moore, dem ehemaligen Leiter des Blasorchesters der Juilliard School of Music erhalten. Unter sorgfältiger Beachtung der rhythmischen Präzision, Phrasierung und Dynamik demonstriert Reed mit diesem Werk die reichlichen Optionen, die der Kombination von Blech- und Schlaginstrumenten innewohnen.

Während Reed ein hohes Alter vergönnt war, verstarb der Komponist des nächsten ausgewählten Werkes bereits im Alter von 24 Jahren an Typhus. Es ist der Belgier Guillaume Lekeu (1870–1894), ein Schüler von César Franck und Vincent d’Indy. Sein Adagio für Streichtrio und Streichorchester vollendete Lekeu am 28. April 1891. Die Uraufführung erlebte er allerdings nicht mehr. Erst kurz nach seinem Tod, am 29. April 1894, wurde das Werk in der Salle d’Harcourt zu Paris unter der Leitung von Vincent d’Indy zum ersten Mal aufgeführt. Es ist eine durchweg zauberhafte, intensiv empfundene Komposition, die vom musikalischen Erfindungsreichtum des jungen Lekeu zeugt – ein im Ausdruck sehr persönliches Werk, das es verdient hätte, häufiger in den Konzertsälen dieser Welt gespielt zu werden.

Richard Strauss (1864–1949) ist vor allem als Komponist von Opern und Sinfonischen Dichtungen bekannt. Gerade zu Beginn und gegen Ende seiner langen Schaffenszeit macht er aber auch mit kammermusikalischen Werken auf sich aufmerksam. Bereits im Alter von elf Jahren erhielt Richard Strauss bei Friedrich Wilhelm Meyer Unterricht in musiktheoretischen Fächern. Über fünf Jahre konnte Strauss sich so Kenntnisse in Formenlehre, Kontrapunkt, Harmonielehre, Komposition und Instrumentation erwerben. Ein Jahr nach Beendigung des Unterrichts bei Meyer schrieb Richard Strauss 1881 die „Serenade für 13 Blasinstrumente, Es-Dur op. 7“. Das einsätzige Werk im Andante-Tempo wurde von dem Meininger Hofkapellmeister Hans von Bülow in sein Tourneeprogramm aufgenommen. Dazu schrieb Strauss am 3. Dezember 1883 an den Dirigenten: „Zu meiner größten Freude erhielt ich vorgestern von Herrn Spitzweg die Nachricht, dass Euer Hochwohlgeboren gewillt seien, meine Bläserserenade op. 7 in einem Ihrer Konzerte zur Aufführung zu bringen. Ich bin äußerst glücklich über die große Ehre, die meiner kleinen Anfängerarbeit damit widerfährt“.

Das „Adagietto“, der 4. Satz aus Gustav Mahlers (1860–1911) 5. Sinfonie, ist eine Art Orchesterlied ohne Worte. Nur für Harfe und Streicher geschrieben, erinnert das lyrische Stück im Ausdruck und einigen melodischen Wendungen an Mahlers Rückert-Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“. Populär geworden ist das Adagietto durch Luchino Viscontis Verfilmung der Erzählung „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann. Auch heute noch zählt es zu Mahlers populärsten Kompositionen.


Sinfoniekonzert //

20.11.2020 und 21.11.2020, 19:00 + 21:00 Uhr
Konzertsaal der HfMT Köln
Guillaume Lekeu: Adagio pour Quatuor d‘Orchestre
Richard Strauss: Serenade für 13 Blasinstrumente op. 7
Alfred Reed: Symphony for Brass and Percussion
Gustav Mahler: Adagietto aus der 5. Symphonie
Mit dem Orchester der HfMT Köln
LEITUNG: Prof. Alexander Rumpf
KARTEN je 6 Euro, ausschließlich online bei kölnticket (keine Abendkasse)