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Thomas Breuer ist seit 35 Jahren Tierpfleger im Kölner Zoo. Für den 52-Jährigen könnte es keinen schöneren Job geben Image 1
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Im Paradies der Vögel: Thomas Breuer ist seit 35 Jahren Tierpfleger im Kölner Zoo. Für den 52-Jährigen könnte es keinen schöneren Job geben

Die Hornvögel im Tropenhaus fressen Breuer längst aus der Hand Bild: Büge

Wenn Thomas Breuer morgens um 7 Uhr mit seiner Arbeit beginnt, ist er umgeben von tropischen Pflanzen. Bei 28 Grad und fast 80 Prozent Luftfeuchtigkeit beobachtet er tagtäglich, wie bunte Vögel an Wasserfällen vorbeifliegen. Auch Schlangen, Schildkröten, Affen und Baumkängurus begegnen ihm in regelmäßigen Abständen. Allerdings ist der 52-Jährige nicht etwa im Regenwald Südostasiens beheimatet, sondern als Vogelexperte im Tropenhaus des Kölner Zoos tätig.

Aufzucht zu Hause

Erlebt hat er mittlerweile schon einiges, da Breuer bereits 35 Jahre lang dabei ist. Nach seiner Ausbildung im Jahr 1984 wurde er zunächst im Affenhaus eingesetzt, in dem er die Tiere vor allem gepflegt und versorgt hat. Doch nicht nur das. „Die schönsten Erlebnisse meiner Arbeit sind natürlich die Tiergeburten. Allerdings klappt dabei nicht immer alles reibungslos“, sagt Breuer, der während seiner Zeit im Affenhaus sogar mal Lemuren aufziehen durfte – phasenweise in den eigenen vier Wänden. „Die Jungtiere müssen im Prinzip rund um die Uhr versorgt werden, was natürlich eine einmalige Erfahrung war. Allerdings war das Ganze auch mit jeder Menge Arbeit verbunden“, blickt Breuer zurück. „Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass die Tiere noch Kontakt zu ihren Artgenossen haben und nicht vermenschlicht werden. Das gelingt heutzutage oft mit einem separierten Käfig im eigentlichen Gehege.“

"Bestimmte Arten zu erhalten, ist für uns von besonderer Bedeutung"

Experte im Tropenhaus

Zutraulich sind viele Tiere Breuer gegenüber trotzdem. Seit dem Jahr 2000 hat er allerdings nicht mehr hauptsächlich mit Affen, sondern mit Vögeln zu tun, da er mit Eröffnung des Tropenhauses seinerzeit dorthin „versetzt“ wurde. Traurig ist Breuer darüber nicht. Ganz im Gegenteil: Für den Tierliebhaber hätte es nicht besser laufen können. Denn nachdem er als Kind und Jugendlicher bereits privat Kanarienvögel und australische Sittiche aufzog, ist er dort nun für viele seltene Vogelarten des südostasiatischen Raums zuständig. „Es ist toll zu sehen, wenn die Zucht funktioniert und ein seltenes Vogelbaby schlüpft“, erklärt der Spezialist des Kölner Zoos. „Populationen aufzubauen, um eine bestimmte Art zu erhalten, ist uns dabei das Hauptanliegen. Am schönsten ist es deshalb, wenn es uns gelingt, Tiere wieder auszuwildern. In den letzten Jahren hat das schon mehrfach geklappt, beispielsweise beim Bali-Star.“

Großer Liebhaber
  
Auch die Nager wissen, wer ihnen morgens das Essen bringt Bild: Büge
Auch die Nager wissen, wer ihnen morgens das Essen bringt Bild: Büge
Ausschließlich schöne Seiten hat der Beruf des Tierpflegers allerdings nicht. Denn nach einem morgendlichen Kontrollgang, der Nahrungszubereitung und der anschließenden Fütterung stehen Reinigungsarbeiten auf dem Programm, die einen Großteil der Arbeitszeit ausmachen. Dazu kommen schwere körperliche Arbeiten, wie das Schleppen von Futtersäcken, das Schieben von Mistkarren, das Stapeln von Heuballen sowie das Töten diverser Futtertiere. „Auch solche Arbeiten müssen Bewerber problemlos bewältigen können“, sagt Breuer. „Ansonsten ist der Beruf des Tierpflegers nicht der richtige für sie.“

Spezielle Anforderungen

Ohnehin müssen Bewerber einige Kriterien erfüllen, um für einen Ausbildungsplatz beim Kölner Zoo in Frage zu kommen. Dabei geht es weniger um gute schulische Leistungen, sondern vielmehr um Einfühlungsvermögen und Engagement zugunsten der Tiere. Ob dies vorhanden ist, wird bei einem dreiwöchigen Praktikum herausgefunden, das für eine erfolgreiche Bewerbung eine Grundvoraussetzung ist. „Während dieser Zeit stellt sich für beide Seiten meist schon heraus, ob eine Bewerbung Sinn macht oder nicht“, sagt Breuer, der darauf hinweist, dass für alle Mitarbeiter im Zoo in sechswöchigen Abständen auch Samstags- und Sonntagsdienst anfällt. „Das Interesse muss echt sein, da es sich beim Beruf des Tierpflegers um einen verantwortungsvollen Job handelt. Denn die Tiere müssen bestens versorgt sein – bei jeder Witterung und 365 Tage im Jahr.“

Dreijährige Ausbildung

Um dies stets zu gewährleisten, bietet der Zoo regelmäßig Ausbildungsplätze an. Während der Lehre bekommen die Azubis Einblicke in alle Bereiche des Zoos, sodass sie mit Insekten, Elefanten und natürlich auch mit „Breuers Vögeln“ im Tropenhaus in Berührung kommen.
  

Das Berufsbild

Der Beruf des Tierpflegers wird in die drei Fachrichtungen Zoo, Forschung/Klinik sowie Tierheim/Tierpensionen gegliedert. Ein Einsatz im Zoologischen Garten in Köln ist allerdings ausschließlich dann möglich, wenn die Ausbildung in der Fachrichtung Zoo absolviert wurde. Wichtig für alle potenziellen Nachwuchstierpfleger: Im Zoo endet die Bewerbungsfrist stets am 31. Oktober des Vorjahres, wobei ein dreiwöchiges Praktikum zu diesem Zeitpunkt schon absolviert sein muss. Die Vergütung der Auszubildenden des Kölner Zoos steigert sich vom ersten bis zum dritten Lehrjahr von 1018 auf 1114 Euro brutto.
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