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Dieses Jahr zieht es die meisten Deutschen nicht in die Ferne Bild: Patrick Daxenbichler - stock.adobe.com

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Urlaub nehmen in Zeiten von Corona Aufsparen oder Auszahlen? Was ist möglich?

31.07.2020

Die Urlaubszeit hat begonnen, aber das Verreisen ist während der Corona-Pandemie schwieriger. Manche fragen sich, ob der Urlaub 2020 nicht einfach auf 2021 übertragen werden kann.

Betriebliches oder Persönliches

Urlaub soll der Erholung dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er genommen werden. Aufsparen oder auszahlen im bestehenden Arbeitsverhältnis ist gesetzlich nicht vorgesehen. § 7 Abs. 3 S. 1 Bundesurlaubsgesetz verpflichtet dazu, den Urlaub im laufenden Kalenderjahr zu gewähren und zu nehmen. Abgeltung ist lediglich bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses möglich. Sonst darf nur Urlaub, der im laufenden Jahr aus dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen wie etwa Krankheit nicht erteilt werden konnte, in das Folgejahr übertragen werden. In diesen beiden Fällen ist er bis zum 31. März 2021 zu gewähren, andernfalls verfällt er. Wenn wegen Corona so viel zu tun ist, dass für dieses Jahr kein Urlaub genommen werden kann, wird der Anspruch auf 2021 übertragen. Anders ist es, wenn es Arbeitsausfälle gibt. Zudem kann der Arbeitnehmer, nur weil sein gewünschter Urlaub wegen Corona nicht angetreten werden kann, keine Übertragung auf 2021 verlangen. Ferner darf ein einmal gewährter Urlaub nicht einfach zurückgenommen werden. Dies ist nur einvernehmlich mit dem Arbeitgeber möglich.

Obliegenheit zur Mitwirkung

Arbeitgeber sollten die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) und dem Bundesarbeitsgericht (BAG) vorgesehene Mitwirkungsobliegenheit beachten. Sie sollten Arbeitnehmer dazu auffordern, Urlaub zu nehmen und sie darüber informieren, dass der Anspruch sonst mit Ende des Kalenderjahres oder spätestens zum 31. März des Folgejahres entfällt. Unterlässt der Arbeitgeber diesen Hinweis, wird der Anspruch auf das nächste Jahr übertragen. Ob diese Obliegenheit auch bei Langzeiterkrankten gilt, ist noch nicht geklärt. Dazu hat das BAG ein Vorabentscheidungsverfahren an den EuGH eingeleitet. Vorsichtshalber sollten Arbeitgeber daher alle Arbeitnehmer auf ihren Urlaub und den möglichen Verfall hinweisen.

Kathrin Thienhaus
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Bietmann Rechtsanwälte
Steuerberater PartmbB, Köln