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Mit Neugier und Mitgefühl: Hélène Grimaud spielt das G-Dur Konzert von Ravel

Hélène Grimaud

Darf der Wolf abgeschossen werden? Darüber wird in Deutschland heftig diskutiert. Klar, dass auch Hélène Grimaud daran Anteil nimmt. Die Französin plädiert für ein striktes Tötungsverbot – solange die Population aus sich heraus noch nicht überlebensfähig sei. Die 50-Jährige nämlich ist Wolfs-Kennerin; liebevoll kümmert sie sich um Rettung und Zucht der Wildtiere. Wie sehr diese Spezies ihr Leben bestimmt, zeigt auch der Titel ihrer Autobiographie »Wolfssonate «; eines von mehreren Büchern, in denen sich Grimaud als klug reflektierende Autorin präsentiert. Dass auch eine glanzvolle Solisten-Karriere kein Hindernis darstellt, der Welt mit Neugier und Mitgefühl zu begegnen, dafür bietet die Künstlerin das beste Beispiel. Grimaud engagiert sich für Menschenrechte und Naturschutz. Ein einschneidendes Erlebnis war für sie die Begegnung mit einer zahmen Wölfin; diese Spezies faszinierte die Pianistin derart, dass sie in den USA das »Wolf Conservation Center« gründete. Dabei ist Hélène Grimaud ein Stadtkind, aufgewachsen in Aix en Provence. Und wie die Wildnis, so lag ihr zunächst auch das Klavier eher fern. Aus einer Not hat sie sich die Welt der Tasten erschlossen: Als Kind litt sie an Zwangsstörungen und Hypernervosität. Der Arzt der Familie riet zum Instrumentalunterricht, und die Therapie schlug an. Mehr noch, die Zwölfjährige wurde als jüngste Schülerin am Konservatorium von Paris angenommen. Seitdem hat sie sich ein wuchtiges Repertoire zwischen Bach, Brahms und Bartók erschlossen; und zwar mit einer poetischen Kraft, aus der existenzielle Dringlichkeit spricht. Doch die Französin weiß auch mit subtil gezogenen Linien und schillernden Farbnuancen zu verführen und zu betören. Qualitäten, die im Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel gefragt sind – neben technischer Brillanz und Sinn für Swing- und Jazzelemente. »Ein wunderbares Stück, lebendig und berauschend«, urteilt Grimaud über diesen genialen Wurf ihres Landsmanns. In den letzten Jahren hat die Pianistin die solistische Einsamkeit auf dem Podium bevorzugt, um zum Beispiel ihre beiden Solo-Alben »Water« und »Memory« vorzustellen. Umso höher ist nun ihre Zusammenarbeit mit den Bamberger Symphonikern zu bewerten. Das Ensemble, 1946 von Prager Kiregsflüchtlingen gegründet, begeistert mit seinem charaktervoll dunklen und runden Klangbild, das für die böhmische Musiziertradition steht. Sie hat der aus Brünn stammende Jakub Hrůša aufs Neue befeuert, seit er 2016 zum Chefdirigenten der »Bamberger« avancierte. Der 38-Jährige wird beim Konzert in Köln auch die Reise ins »Himmlische Leben« anführen. Das gleichnamige bayerische Kinderlied nämlich bildet die Keimzelle der vierten Sinfonie von Gustav Mahler. Bei der Uraufführung 1901 hatte die vermeintlich naive musikalische Bilderwelt, die mit Schellengeklingel beginnt, noch Befremden ausgelöst. »Dorniges Unkraut« wollte da ein Kritiker in diesem doppelbödigen musikalischen Märchenland entdecken, das erst nach und nach vom Publikum erobert wurde. Heute zählt diese »Humoreske« - so der Komponist selbst über sein Werk - zu Mahlers populärsten Sinfonien. Annette Schroeder

18.01.2020
Samstag 20:00

Hélène Grimaud Klavier
Kateřina Kněžíková Sopran

Bamberger Symphoniker
Jakub Hrůša Dirigent

Maurice Ravel
Konzert für Klavier und Orchester G-Dur (1929–31)

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 4 G-Dur (1899–1900; rev. 1902–10) für Orchester mit Sopransolo

€ 86,– 75,– 64,– 44,– 29,– 10,– | Z: € 64,–

Klassiker! 4
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