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Dr. Marco Richrath, General Manager des Shell Energy and Chemicals Park Rheinland, möchte den Dialog zu den Nachbarn intensivieren Bild: Jörg Brockstedt

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„Wir werten den Standort enorm auf“ Dr. Marco Richrath, General Manager des Shell Energy and Chemicals Park Rheinland, erklärt, warum der Transformationsprozess eine riesige Chance ist und was die nächsten Schritte sind.

24.11.2021

Im Dialog: Aus der Rheinland Raffinerie wurde der Shell Energy and Chemicals Park Rheinland: Was steckt hinter dem neuen Namen?

Richrath: Die englischen Wörter „Energy“ und „Chemicals“ beschreiben, dass wir beides anbieten: Zum einen arbeiten wir an Energielösungen für die Zukunft. Zum anderen bieten wir eben Chemieprodukte an. Die Umbenennung ist Teil der neuen Strategie „Powering Progress“. Insgesamt transformiert Shell fünf ihrer Raffinerien in Energy and Chemicals Parks. Gleichzeitig haben wir drauf geachtet, dass wir die lokale Komponente nicht verlieren. Daher haben wir uns für den Zusatz Rheinland entschieden.

Im Dialog: Sie sprechen gerne vom Transformationsprozess. Was genau meinen Sie damit?

Richrath: Der Transformationprozess bedeutet mehr, als nur Anlagen umzubauen und neue Produkte herzustellen. Es geht auch um eine digitale Umwandlung. Sie ist enorm wichtig für die Erreichung unserer Ziele. Sie beinhaltet neue Arbeitsprozesse und gibt uns mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Entscheidend dabei ist, dass wir nicht zu lange an Altem festhalten und damit den Wandel verpassen. Es ist unsere Aufgabe als internationales Unternehmen, die Chancen der Energiewende zu suchen – diese haben wir erfüllt. Wir haben uns intensiv mit dem Thema CO2-Emissionen auseinandergesetzt und gesehen, dass wir als Shell bis zu zehn Prozent der in Deutschland verursachten Emissionen einsparen können. Das bedeutet eine große Verantwortung, die wir jedoch gerne übernehmen. Verantwortung heißt dabei auch, zu erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Wir müssen neue Wege gehen, um die Zukunft des Standorts zu sichern.

Im Dialog: Was unternehmen Sie und Ihre Mitarbeiter konkret, um das große Shell Ziel „Netto-Null-Emissionen bis 2050 oder früher“ zu erreichen?

Richrath: Es wird eine Vielzahl an Maßnahmen geben. Gerade stellen wir zum Beispiel das neue Kraftwerk „Genesis“ fertig. Zudem haben wir vor Kurzem die finale Investitionsentscheidung getroffen für eine neue Bio-LNG-Anlage. Damit stellen wir für LNG-Lkw CO2-neutralen Kraftstoff zur Verfügung. Dabei ist wichtig zu wissen, dass zehn Prozent unserer Emissionen aus unseren Betrieben stammen. Während 90 Prozent durch die Nutzung unserer Produkte entstehen. Das heißt, wir werden zum einen unseren Betrieb optimieren. Zum anderen müssen wir unseren Kunden Lösungen anbieten, mit denen sie Emissionen senken können. Das sind zum Beispiel grüner Wasserstoff oder Low Carbon Fuels (CO2-arme Kraftstoffe). Und dafür arbeiten wir grundsätzlich vom Kunde rückwärts: Wir fragen zuerst, was der Kunde braucht. Welche Ansprüche hat der Schwerlastverkehr, welche gibt es im Industriesektor oder in der urbanen Mobilität? Es wird künftig viele verschiedene Lösungen geben. Die Zeit von ‚one fits all‘ (eins für alle) ist vorbei.

Im Dialog: Welche Rolle spielt künftig die Produktion fossiler Kraftstoffe im Energy and Chemicals Park Rheinland?

Richrath: Wandel gab es bei uns schon immer. Wir haben in Wesseling bereits Düngemittel hergestellt, dann kam die Petrochemie hinzu und jetzt kommt die nächste Entwicklungsstufe. Der Verbrauch an Rohöl wird nach und nach zurückgehen. Unser Bestreben ist dabei ganz klar: Wir wollen Rohöl für Produkte nutzen, die nicht verbrannt werden – etwa Bitumen, hochwertige Schmieröle und medizinische Öle. Es geht darum, den Rohstoff in die Kreislaufwirtschaft zu integrieren.

Im Dialog: Wo ist der Umbau von der Raffinerie zum Energy and Chemicals Park heute schon zu sehen?

Richrath: Die Transformation braucht Zeit. Es geht um weit mehr als um einen Umbau. Wir sind künftig vor allem eine Plattform, auf der sich verschiedene Unternehmen ansiedeln können. In einem ersten Schritt werden andere Shell Geschäftsbereiche in unseren Standort investieren. Die Bio-LNG-Anlage, die wir nun beginnen zu bauen, ist dafür ein Beispiel. Der nächste Schritt wird sein, dass andere Firmen zu uns kommen. Dabei legen wir Wert darauf, das die Neuansiedlungen auf dem Gelände die Nachhaltigkeitsziele von Shell teilen und ein hohes Synergiepotential aufweisen.

Im Dialog: Sie wollen in Wesseling einen Energy Campus errichten. Was hat es damit auf sich?

Richrath: Die Energiewende schafft niemand alleine. Der Energy Campus soll die Zusammenarbeit von Industrie, Forschung und Starts-ups ermöglichen. Wir wollen eine Infrastruktur ansiedeln, die das, was wir hinter dem Werkszaun umsetzen, außen maximal unterstützt. Der Energy Campus wird ein Ort, an dem die Menschen weiterdenken können. Wir überlegen bereits, wie wir den Campus der Öffentlichkeit zugänglich machen. Denn wir verstehen uns ganz klar als Teil der Community. Durch das Vorhaben werten wir den Standort enorm auf.

Im Dialog: Wie wollen Sie bei all den Veränderungen und den neuen Unternehmen auf Ihrem Gelände die Sicherheit gewährleisten?

Richrath: Sicherheit ist ein kompromissloser Kernwert unserer Arbeit im Energy and Chemicals Park Rheinland. Selbstverständlich legen wir bei der Auswahl der Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, größten Wert darauf, dass das auch ein Bestandteil deren Unternehmenskultur ist. Sie müssen sich in unsere Wertschöpfungskette eingliedern. Es geht nur, wenn wir zusammen funktionieren. Zum anderen bieten wir den Unternehmen unser Know-how an. Wenn sie es wünschen, können wir auch deren Anlagen betreiben.

Im Dialog: Welche konkreten Auswirkungen wird der Wandel für die Nachbarn haben?

Richrath: Künftig wollen wir wieder viel stärker ein Teil der lokalen Gemeinschaft sein. Wir werden ein Unternehmen sein, das viel breiter aufgestellt ist und das seine lokale Präsenz verstärkt. Unser Anspruch ist es, dass unsere Nachbarn stolz auf uns sind. Wir möchten mehr verändern als nur die Silhouette der Werke.

Im Dialog: Wie ändern sich die Ansprüche an Auszubildende und Mitarbeiter?

Richrath: Weiterbildung wird noch wichtiger. Aus diesem Grund haben wir zum Beispiel die Energiewende Akademie (EWA) eröffnet, in der sich die Mitarbeiter laufend fortbilden können. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung einen enormen Wandel bringt. In unserem im Aufbau befindlichen CoLab werden wir gezielt an neuen Arbeitsweisen arbeiten, die uns besser vernetzen und Abläufe beschleunigen. Zudem schauen wir uns genau an, wo wir künftig auf Robotik setzen können und wollen beim Einsatz dieser Technologie an vorderster Front dabei sein. Und da wir als einer der besten Ausbildungsbetriebe in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurden, sind wir uns auch der Verantwortung für den Nachwuchs bewusst.

Im Dialog: Welche nächsten konkreten Schritte werden Sie und Ihr Team angehen?

Richrath: Zunächst werden wir das neue Gas-Kraftwerk fertigstellen. Mit der Grundsteinlegung für die Bio-LNG-Anlage und der Entwicklung unserer größeren Wasserstoffanlage REFYHNE II werden wir weitere wegweisende Projekte auf den Weg bringen. Wir haben eine klare Vision für unseren Standort und diese wollen wir in den kommenden Jahren verwirklichen. Und bei all dem liegt uns der Dialog mit den Nachbarn sehr am Herzen. Dafür wollen wir unter anderem neue Kommunikationswege gehen und digitale Medien verstärkt nutzen. Denn insbesondere in Zeiten des Wandels ist es wichtig, dass wir mit den Menschen im Gespräch bleiben. Wir werden intensiv daran arbeiten, sie auf unserer Reise mitzunehmen.
  

Was heisst Netto Null Emissionen?

Ziel von Shell ist es, im Einklang mit der Gesellschaft bis spätestens 2050 ein Energieunternehmen mit Netto-Null-Emissionen zu werden. Dies umfasst neben CO2 auch Treibhausgase wie Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Die Betriebe verursachen dabei 10 Prozent der Emissionen, 90 Prozent entstehen, wenn Kunden die Energieprodukte von Shell verbrauchen. Diese Emissionen will Shell vermeiden und senken, wo es möglich ist. Verbleibende CO2-Emissionen will Shell zum Beispiel mit Umweltprojekten ausgleichen.

Alle Infos finden Sie hier: www.shell.de/energiewende