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Die Immobilienpreise steigen weiter – trotz der aktuellen Situation Bild: peterschreiber.media/stock.adobe.com

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Wohnimmobilienmarkt auf Allzeithoch Bislang keine spürbaren Auswirkungen der Krise auf die Branche in der Region

25.11.2020

Millionen Menschen in Kurzarbeit, sinkende Einkommen und eine höhere Arbeitslosigkeit. Kultur, Gastronomie und Tourismus im Lockdown. Das Corona-Jahr war und ist für viele ein wirtschaftlich schwieriges, teilweise existenzbedrohendes Jahr. Von all dem unberührt scheint bislang die Immobilienbranche. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes jedenfalls zeigen für die ersten beiden Quartale einen Preisanstieg bei Wohnimmobilien im Vergleich zum Vorjahr von 6,8 und 6,6 Prozent.


"Wir können keinen signifikanten Rückgang an Interessenten feststellen"


Rückgang bei Gewerbeflächen

„Man muss unterscheiden zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilien. Im Sektor der Gewerbeimmobilien merken wir schon einen Rückgang beziehungsweise die Unsicherheit der Anleger in Bezug auf die Corona-Pandemie“, sagt Patrick Heldt von teamwerk Immobilien, einem Tochterunternehmen der Bensberger Bank. Tilman Gartmeier, Gründer und Geschäftsführer von Cube Real Estate erklärt: „Wir erwarten aber keinen nachhaltigen Rückgang am Büro-Immobilienmarkt. Ganz im Gegenteil: Es werden sich neue Büro-Konzepte etablieren. Alte und nicht mehr zeitgemäße Office-Strukturen werden immer stärker verschwinden.“


"Alte und nicht mehr zeitgemäße Office-Strukturen werden verschwinden"


Nachfrage weiterhin hoch

Bei Wohnimmobilien stellen die Immobilien-Experten der Region derzeit keinen Einbruch des Marktes fest. „Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen hoch. Hier trifft ein großes Interesse Wohnungssuchender auf ein knappes Angebot in Ballungszentren. Das gilt sowohl für Mietwohnungen wie auch Wohnungseigentum“, sagt Gartmeier. Thomas Wegert, Immobilienvermittler/IHK des S IMMO-markt der Sparkasse Leverkusen, berichtet: „Es wird Personen und Familien geben, die sich für den Kauf einer Immobilie entschlossen hatten; den Wunsch aber nun wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage aufgrund der Corona-Pandemie zurückgestellt haben. Wir können allerdings keinen signifi kanten Rückgang an Interessenten feststellen.“ Frank Rütten von teamwerk Immobilien erklärt: „Wir haben aufgrund von Corona keinen Tag, keine Stunde weniger Arbeit. Die Leute investieren nach wie vor in Beton.“ „Die Nachfrage institutioneller Anleger nach Wohnprojekten in deutschen Ballungszentren, wie zum Beispiel Quartiersentwicklungen, ist hoch, trifft aber nur auf ein sehr kleines Angebot. Für alle Zielgruppen gilt: Schaffen von Wohnraum ist das Gebot der Stunde“, bekräftigt Gartmeier.


"Die Leute investieren nach wie vor in Beton"


Sichere Anlageform

Immobilien sind also weiterhin eine interessante Anlagemöglichkeit. Im Gegensatz zum DAX, der am 18. März bis auf 8.441,4 Punkte sank, zeigte sich der Immobilienmarkt stabil. So schätzt es auch Wegert ein: „Einmal mehr hat sich durch Corona gezeigt, dass Immobilien eine krisensichere Anlageform sind. Immobilien sind wertstabil. Aktienkurse können sehr volatil sein. Das hat auch die Entwicklung der Aktienkurse im Verlaufe der Krise gezeigt: Sind sie zu Beginn von Covid-19 gefallen, haben sie sich nun mit der Aussicht auf einen Impfstoff wieder erholt.“ Großes Vertrauen in den Immobilienmarkt zeigt ebenso Patrick Heldt von teamwerk Immobilien: „Im Frühjahr wurde viel spekuliert, als Corona auftrat. Aber die Preise sind nicht gesunken, es ist keine Immobilienblase geplatzt. Die Preise steigen weiter, wenn auch nicht so stark wie in den vergangenen Jahren. Der Trend zeigt weiterhin nach oben.“


"Die Preise sind nicht gesunken, es ist keine Blase geplatzt"


Niedrige Zinsen

Zudem sind die Zinsen nach wie vor niedrig. „Bei einem aktuellen Zinssatz von 0,5 Prozent über zehn Jahre zahlt sich der Kredit quasi von selbst aufgrund der Wertsteigerung der Immobilie“, erklärt Jürgen Füllenbach, Vorstand der Bensberger Bank. Roland Kauß von der VR-Bank Bergisch Gladbach sagt: „Der Bedarf zu investieren wächst aufgrund der Negativzinsen. Wer Geld anlegen möchte, geht mangels anderer Angebote vielleicht von Ein-/Zwei- auf Mehrfamilienhäuser.“


"Für alle Zielgruppen gilt: Schaff en von Wohnraum ist das Gebot der Stunde"


Sogar einzelne Wohnungen seien stärker gefragt als Kapitalanlage. Anleger stünden also in Konkurrenz zu Häuslebauern und Leuten, die für den Eigenbedarf kaufen. Gartmeier sagt: „Für Anleger gibt es in Zeiten des Niedrigzins nach wie vor kaum eine vergleichbare Alternative zum Immobilien-Investment. Institutionelle Anleger waren seit Beginn der Pandemie ein wenig zurückhaltender. Aber auch hier verbessert sich die Nachfrage derzeit wieder.“


"Der Investitionsbedarf wächst aufgrund der Negativzinsen"