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Zwei selten zu hörende Einakter: Zwei Operetten von Jacques Offenbach

Magali Léger

Er war nicht nur Komponist. Er war auch Unternehmer, denn seit 1855 betrieb Jacques Offenbach in Paris ein eigenes Theater, die Bouffes-Parisiens. Es lag in der Rue Monsigny Nr. 4 nur wenige Gehminuten von der Opéra comique entfernt, in der viele Jahre später seine Oper »Les contes d’Hoffmann« uraufgeführt wurde. Das war 1881 ein grand spectacle mit vielen Solisten und einem Chor in prachtvollen Kulissen, die in einem Akt sogar den Anblick der Lagunenstadt Venedig vorgaukelten. Von einem derartigen Prunk konnte Jaques Offenbach zu Beginn seiner Karriere mit seiner kleinen Bühne nur träumen, da die Theatergesetze zu dieser Zeit streng waren. Dramatische Werke mit gesungenen Rezitativen waren ausschließlich der Opéra im Salle Le Peletier vorbehalten, das Recht für heitere Bühnenwerke mit Dialogen zwischen den Arien lag exklusiv bei der Opéra Comique. Wer als Komponist also nicht an einem der beiden Häuser angenommen wurde, hatte nur die Möglichkeit, Einakter mit höchstens drei bis fünf Mitwirkenden an einer der kleineren Bühnen der Stadt herauszubringen. So schrieben es die Behörden vor – und Offenbach blieb nichts anderes übrig, als sich dem beugen. Der vermeintliche Stolperstein erwies sich als Glücksfall. Seine an den Bouffes-Parisiens gezeigten Einakter kamen beim Publikum sehr gut an. Die Libretti waren frech, die Melodien gingen sofort ins Ohr. Es war die aufstrebende Sängerin Louise Théo, die ihn bat, eine weitere kleine Operette extra für sie zu komponieren. Sie selbst übernahm in der Uraufführung die Partie der Catherine, eine junges Dienstmädchen, die »Pomme d’api« genannt wird: rotes Äpfelchen. Catherine arbeitet für den reichen Rentier Rabastens, der nichts davon hält, dass ausgerechnet sein Neffe Gustave sein Herz an sie verschenkt hat. Rabastens offeriert Catherine stattdessen, seine Geliebte zu werden. Dem Neffen dreht er einfach den Geldhahn zu. Im Finale wird ein Festmahl serviert, und Rabastens wird klar, dass er gegen die Liebe der jungen Leute nicht ankommt. Er tröstet sich mit einem Kalbskotelett mit Kartoffelpüree, das von Catherine singend zubereitet wird, so wie es überhaupt in dieser Operette sehr kulinarisch zugeht. In eine völlig andere Sphäre führt Offenbachs »Trafalgar sur un volcan«, ein martialischer Einakter mit Happy End. Napoleons Truppen sind von den Briten geschlagen worden, doch zwei französische Marineoffiziere, einer wird Trafalgar gerufen, der andere heißt St. Elme, halten weiterhin die Stadt Dublin in Atem. Sie haben sich mit einem großen Pulverfass in einem Haus verbarrikadiert und drohen, es hochgehen zu lassen, sollte sich Widerstand gegen sie regen. Durch die Explosion würde der im Untergrund schlummernde Vulkan ausbrechen und ganz Dublin in Schutt und Asche legen. Unglücklicherweise sucht Katrina, ihres Zeichens Schauspielerin am Königlichen Theater zu Dublin und dort eine gefeierte Ophelia, auf der Flucht vor diesem schrecklichen Ereignis ausgerechnet Schutz in diesem gefährlichen Haus. Zum Glück gelingt es ihr, die beiden Soldaten von ihrem Plan abzubringen, nachdem Katrina dem einen die Einnahmen der gestrigen Hamlet-Vorstellung in Aussicht stellt und dem anderen die Ehe verspricht. Der Vulkanausbruch wird abgesagt. Ohne diese beiden und die weiteren Einakter, die Offenbach alle mit einer feinen und eleganten, oftmals auch sehr schwungvollen Musik ausstattete, dazu angereichert mit scharfzüngigen Dialogen und szenischer Turbulenz, wären seine abendfüllenden Operetten nicht entstanden. Den Grundstock dafür legte er mit seinen Einaktern. Ohne »Pomme d’api« gäbe es kein »La vie parisienne«, ohne »Trafalgar sur un volcan« keine »La Grande-Duchesse de Gérolstein «. Offenbach meldete nach der Uraufführung von »Pomme d’api« in einem Brief an die rheinische Verwandtschaft: »Überragender Erfolg! Alle Künstler und ich wurden mehrfach auf die Bühne gerufen!« Dieser Erfolg ist ihm treu geblieben, nicht nur in Köln, wo dieses Konzert das Offenbach-Jahr beschließt. Jürgen Gauert

27.12.2019
Freitag 20:00

Magali Léger Sopran
Marc Larcher Tenor
Armando Noguera Bariton

Die Kölner Akademie
Michael Alexander Willens Dirigent

Jacques Offenbach
Pomme d’api (1873)
Operette in einem Akt. Libretto von Ludovic Halévy und William Busnach

Trafalgar sur un volcan (1855)
Operette in einem Akt. Libretto von Joseph Méry

Konzertante Aufführungen in französischer Sprache und deutschen Übertiteln

€ 30,–

Eschenbach, Strauss & Mahler

Lange hatte sich Gustav Mahler davor gescheut, eine neunte Sinfonie zu komponieren. Beethoven und Bruckner waren über die Zahl bekanntlich nicht hinaus gekommen. Und tatsächlich sollte sich der Aberglaube des Komponisten bestätigen: Die »Neunte« wurde sein Schwanengesang; die Wiener Uraufführung im Jahre 1912 hat er nicht mehr erlebt. Mahlers letzte Sinfonie gilt vielen zugleich als das erste Werk der Neuen Musik. Nur in ihren äußeren Umrissen ist die traditionelle sinfonische Form noch zu erkennen; in ihrem Innern herrschen Auflösung und Zerfall. Und doch formt sich im Schluss-Adagio noch einmal mit bezwingender Kraft eine große romantische Melodielinie, ein Weltabschieds-Gesang von erschütternder Intensität. Das WDR Sinfonieorchester hat unter seinem ehemaligen Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste 2011 eine weithin gerühmte CD-Einspielung der Sinfonie vorgelegt; nun steht mit Christoph Eschenbach wiederum ein ausgewiesener Mahler-Experte am Pult. Der neue Chefdirigent des Berliner Konzerthausorchesters flankiert Mahlers »Neunte« an den beiden Konzertabenden mit unterschiedlichen Orchestergesängen von Richard Strauss - darunter auch die berühmten »Vier letzten Lieder«, mit denen der Komponist 1948 sein Lebenswerk beschloss. Solistin ist die als Konzert- und Opernsängerin gleichermaßen geschätzte Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller, die in den letzten Jahren mit großem Erfolg an der New Yorker MET und der Mailänder Scala debütierte.

13.12.2019 / 14.12.2019
Freitag/Samstag 20:00

Hanna-Elisabeth Müller Sopran
WDR Sinfonieorchester
Christoph Eschenbach Dirigent

Richard Strauss
Vier letzte Lieder

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 9 D-Dur

€ 47,- 38,- 29,- 18,- 16,- 9,-

Su klingk kölsch zor Chressdagszigg

Wer am 11. November um 11 Uhr abends in Köln geboren wird, der hat zwangsläufig die karnevalistischen Traditionen seiner Heimatstadt im Blut. Genau das trifft auf F.M. Willizil zu, der jahrzehntelang bei den »Höhnern« den Gitarrensound angab. Doch »Dä Hoot« – so sein Spitzname« – weiß eben, dass die »kölsche Sprache so viel mehr kann als nur Karneval.« So ist für Gitarristen die kölsche Sprache gleichermaßen wie geschaffen für stimmungsvolle und auch unterhaltsame Weihnachtslieder. Wenn daher allein viele hunderte Kehlen etwa das »Nossknackerleed« anstimmen oder »Et hät jeschneit«, dann ist das allein Gänsehaut pur. Auf solche Momente, die nicht nur unter die Haut, auch mitten ins Herz gehen, darf man sich daher freuen, wenn es nun zwei Tage vor Heiligabend wieder heißt: »Su klingk kölsch zor Chressdagszigg«. Zum zweiten Mal lädt die Philharmonie zu einem bunten Weihnachtsprogramm ein, bei dem wie schon bei der bejubelten Premiere 2018 allerhand Kölner Originale und Institutionen den feierlichen Ton angeben und damit auch für besinnliche Stunden sorgen. Moderiert wird der Abend wieder von Hans-Georg Bögner von der »Akademie för uns Kölsche Sproch«. Der KölnerKinderUni-Chor betört mit seinem glockenreinen Gesang. Die Schauspielerin und kölsche Gospel-Sängerin Marie Enganembem gibt sich ebenso die Ehre wie der Mundart-Dichter Armin Foxius. Diakon Horst Eßer und Rudi Meier erzählen dann unter dem Motto »För et Hätz gitt et et Evangelium op Kölsch« Geschichten aus dem Neuen Testament, wie es die Katholiken und Protestanten verstehen. Zwischendurch sorgt die Band von Schlagzeuger Willy Ketzer für knackigen X-Mas-Swing. Und Ex-»Höhner«-Gitarrist F. M. Willizil präsentiert zusammen mit Tochter Daniela und Christoph Manuel Jansen an den Keyboards und der Quetschkommode rheinisches Liedgut »zor Chressdagszigg«. Usserdäm künnt Ehr üch op der Kölner Männer-Gesang-Verein freue! Reinhard Lemelle  

22.12.2019
Sonntag 20:00

Su klingk kölsch zor Chressdagszigg
Marie Enganemben
Horst Eßer
Armin Foxius
Rudi Meier

KölnerKinderUni-Chor

Kölner Männer-Gesang-Verein
Bernhard Steiner Dirigent

SCHMITZ
F.M. Willizil ("Dä Hoot")
Christoph Manuel Jansen
Daniela Willizil
Willy Ketzer Band
Hans-Georg Bögner Moderation

€ 39,– 34,– 28,– 23,– 17,– 10,– | Z: € 28,–

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